Wirtschaft : Belastung in Deutschland steigt kontinuierlich

Steuerzahlerbund: Trotz Reformen müssen Bürger mehr zahlen

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Düsseldorf (ke/HB). Deutschlands Bürger leiden weiter unter einer hohen Abgabenlast. Das geht aus einer Analyse des KarlBräuer-Instituts des Bundes der Steuerzahler hervor. So nimmt sich der Fiskus vom Bruttolohn eines ledigen Gutverdieners inzwischen fast 60 Prozent in Form von Steuern und Sozialabgaben – 1970 lag die Steuer- und Abgabenlast noch bei 41,7 Prozent.

Selbst die von der rot-grünen Bundesregierung in die Wege geleiteten Steuersenkungen Anfang des Jahres 2001 konnten daran kaum etwas ändern. Bei Ledigen stieg die Belastung sogar an, im Höchstfall um bis zu 0,7 Prozentpunkte. Auch die Wirkungen einer weiteren vorgezogenen Steuerreformstufe schätzt das Karl-Bräuer-Institut ziemlich ernüchternd ein. Den Berechnungen zufolge können Ledige maximal mit einer Reduzierung ihrer Abgabenlast um 1,8 Prozentpunkte rechnen, Verheiratete mit Kindern um 1,1 Prozentpunkte. Die Regierung plant, die für 2005 vorgesehenen Steuersenkungen auf 2004 vorzuziehen.

Untersucht hat das Karl-Bräuer-Institut die Abgabenlast auf die Einkommen abhängig Beschäftigter von 1970 bis zum Jahr 2003. Während über die Jahre die Durchschnittsbelastung bei Ledigen mit doppeltem Durchschnittslohn (53000 Euro) fast kontinuierlich zugenommen hat, nahm sie bei einem verheirateten Alleinverdiener mit zwei Kindern und einem Bruttolohn von rund 26400 Euro konsequent ab. Lag die prozentuale Belastung 1970 hier noch bei 30,6 Prozent, ging sie bis 2003 auf 28 Prozent zurück. Das Institut warnt jedoch davor, diesen Haushaltstyp überzubewerten und zu denken, dass dort die Masse der kleinen und mittleren Verdiener zu finden ist: „Tatsächlich entfallen nur 15 Prozent der Lohnsteuerpflichtigen auf Alleinverdiener-Ehepaare mit Kindern", lautet die Analyse. So zeige sich, dass bei Eheleuten mit zwei Kindern und doppeltem Einkommen die Abgabenlast auch 2003 noch bei 42 Prozent liegt – gegenüber 31,2 Prozent im Jahr 1970.

Nur Belgien und Ungarn noch teurer

Auch international schneidet Deutschland trotz der bisherigen Steuerreformstufen schlecht ab. Nach Ermittlungen der OECD aus dem Jahr 2001 hatte der durchschnittlich verdienende deutsche Single unter 30 Vergleichsländern in Deutschland die dritthöchsten Abzüge vom Bruttolohn zu ertragen. Nur ein Leben in Belgien und Ungarn ist für ihn noch ungünstiger.

Als Konsequenz fordert das Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler sowohl eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge als auch die Besteuerung von Privathaushalten so zu senken, „dass davon vor allem auch Steuerpflichtige mit mittlerem und höherem Einkommen profitieren“. Außerdem greift das Institut eine alte Experten-Forderung auf: Zur Vermeidung heimlicher Steuererhöhungen müssten Grundfreibetrag und Steuertarif regelmäßig an die Einkommensentwicklung angepasst werden.

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