Wirtschaft : Belegschaft fürchtet Kahlschlag bei Walter Bau

Demonstration in Augsburg: 1000 Beschäftigte protestieren gegen zusätzlichen Stellenabbau/Käufer Strabag dementiert Pläne

Nicole Huss

München - Mehr als 1000 Mitarbeiter des insolventen Baukonzerns Walter Bau haben am Montag in Augsburg gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert. Sie fürchten, dass im Zuge der Übernahme durch den österreichischen Strabag-Konzern deutlich mehr Arbeitsplätze verloren gehen als angekündigt. Die IG Bau warf der Strabag und Insolvenzverwalter Werner Schneider ein „Verwirrspiel um Arbeitsplätze und Wortbruch“ vor.

Die Strabag wehrte sich gegen die Behauptung, sie wolle bei den Arbeitsplätzen einen Kahlschlag vornehmen. Eine weitere Walter Bau-Tochter musste am Montag Insolvenz anmelden. Bei der Baugeräte Service GmbH, einer Baugeräte-Verleihfirma, sind deutschlandweit rund 500 Mitarbeiter beschäftigt.

„Das so genannte Erwerberkonzept der Strabag bedeutet das Aus für mehr als Dreiviertel der Arbeitsplätze bei der Konzernmutter“, sagte IG Bau-Vorstandsmitglied Karl Heinz Strobl. Das sei ein Wortbruch gegenüber den Beteuerungen der Insolvenzverwaltung, die dafür sorgen wollte, dass 4100 der 9000 Stellen beim Verkauf an die Strabag übergehen. Beim Einstieg Mitte Februar hatte die Strabag in Aussicht gestellt, 4100 Mitarbeiter im In- und Ausland in der neuen Dywidag Holding zu übernehmen, die als Dachgesellschaft für vier Kerngesellschaften fungiert. In der vergangenen Woche hatte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner eingeschränkt, er könne wegen der Kündigung zahlreicher Bauverträge nur 3000 Arbeitsplätze retten.

Die IG Bau kritisiert nun, dass Strabag fast ausschließlich die Arbeitsplätze bei den profitablen Tochterfirmen retten will. Bei der insolventen Konzernmutter würden dem Erwerberkonzept zufolge nur 800 von 3800 Stellen gerettet – davon 100 Ausbildungsplätze. Karl Bauer, Betriebsratschef bei Walter Bau, ist etwas optimistischer: Er geht davon aus, dass etwa 1200 Arbeitsplätze der insolventen Holding übrig bleiben. Ein paar hundert Mitarbeiter könnten durch Maßnahmen wie Management-Buy-out ihre Stellen behalten. „Es ist die falsche Entscheidung, die Mitarbeiter jetzt vor die Tür zu stellen“, sagte er dem Tagesspiegel. Die Auftragslage bei Walter Bau sei zwar nicht besonders gut, müsste es der Strabag aber dennoch ermöglichen, mehr Mitarbeiter zu übernehmen. Bauer zufolge hat die Walter Bau AG seit der Insolvenz Aufträge in Höhe von rund 400 Millionen Euro verloren. Vor der Insolvenz habe der Auftragsbestand noch rund 650 Millionen Euro betragen. Strabag-Finanzvorstand Thomas Birtel dementierte, dass massiv Stellen gestrichen werden. Es sei weiter vorgesehen, 3000 Mitarbeiter zu übernehmen.Dass nicht wie geplant 4100 übernommen werden könnten, liege an den Kündigungen von Aufträgen. Birtel zufolge ist das Auftragspolster nur noch halb so dick wie vor einem Monat

Unterdessen stellt die Strabag offenbar Forderungen an Bund und Länder. Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll die öffentliche Hand darauf verzichten, den Einstieg der Strabag mit alten Steuerforderungen gegen Walter Bau zu belasten. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) habe sich in der Sache bereits eingeschaltet.

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