BenQ : Nur eine schwarze Flagge bleibt

Das Bild hatte Symbolcharakter: der Dauerregen und die wehenden IG-Metall-Flaggen auf Halbmast vor dem Solidaritätszelt von BenQ Mobile in Kamp-Lintfort. Die Mitarbeiter bauen ihr Zelt ab.

Kamp-Lintfort - Zwei ältere Frauen stehen daneben, als das Zelt abgebaut wird, das fast drei Monate lang Zentrum des Widerstandes und Anlaufpunkt für die Fragen der Mitarbeiter des insolventen Handyherstellers war. "Die Frau meines Bruders hat hier 25 Jahre lang gearbeitet und jetzt ist alles wie tot. Schlimm", meint Cemka Catic. Mit dem Abbrechen des Zeltes geht für viele der früheren Beschäftigten ein weiteres Zeichen der Hoffnung verloren.

Im Zelt sind bereits die meisten Bänke weggeräumt nur noch die Kaffeebar ist übrig geblieben, an der tatsächlich noch heftig diskutiert wird: Über die mögliche Strategie des potenziellen Investors, über die Arbeit des Insolvenzverwalters und über die eigene ungewisse Zukunft.

"Ich hab Angst, dass ich in ein Loch falle."

Hinter der Kaffeetheke fallen sich Maria Künzig und Silvia Richter mit Tränen in den Augen in die Arme. "Zusammen gekämpft, zusammen geweint", sagt Richter traurig. 19 Jahre lang hat sie bei Siemens und BenQ gearbeitet zuletzt im Prototypen-Musterbau. In den vergangenen Wochen hat die Betriebsrätin fast jeden Tag im Solidaritätszelt zugebracht - und jetzt? "Ich hab Angst, dass ich in ein Loch falle. Das wird nach ein, zwei Wochen bestimmt kommen, nach dem offiziellen Urlaub." Danach wird sie versuchen, einen neuen Job zu finden.

Vorbeigekommen ist auch der Pfarrer der Kamp-Lintforter Christuskirche, Michael Ziehbuhr. "Es ist schon ein Zeichen, das Zelt gemeinsam abzubauen, wo die Menschen hier so viel erlebt, erlitten und auch erreicht haben - obwohl man noch nicht sagen kann, alles ist gut." Aus seiner Sicht waren das Zelt und der Widerstand der Beschäftigten "ein wichtiges Zeichen für andere: Da, wo Menschen zusammenhalten, da kann einiges bewegt werden."

Als die Betriebsratsvorsitzende Heike Deppner ins Zelt kommt, ist es so gut wie leer, die Kollegen nehmen die Weihnachtssterne vom Dach. "Ich fühle mich beschissen. Das Zelt war eine Begegnungsstätte und man konnte die Unsicherheit gemeinsam tragen", sagt Deppner. Was vom Protest bleibt? Alle seien enger zusammengerückt.

Arbeit ohne Geld

Die Hoffnungen der Mitarbeiter richten sich jetzt auf die Gespräche in Düsseldorf an diesem Montag - "wo doch so viele bedeutende Leute zusammenkommen". Aber Arbeit ohne Geld - das werde man nicht akzeptieren, ist Deppner sich sicher. Bei dem Treffen in Düsseldorf will NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) mit Vertretern der deutsch-amerikanischen Investorengruppe sprechen, die an einer Übernahme des Handyherstellers interessiert ist. Eine Bedingung des Konsortiums soll angeblich die zunächst kostenlose Beschäftigung früherer BenQ-Mitarbeiter sein.

Bevor die Kollegen die Zeltböden herausreißen und die Plane abnehmen, gibt es noch ein Erinnerungsfoto. Am Ende bleibt am Standort des Zeltes nur noch eine schwarze Flagge - Symbol auch für das ganze insolvente Unternehmen. "Hier geht eine Ära zu Ende", meint Jörg Henke. "Das war ein Stück Identität." (Von Alexander Florié, dpa)

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