Wirtschaft : Benzin durch Opec-Beschluss vorerst nicht teurer

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Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will von Januar an weniger Öl fördern und damit den Preisverfall des Rohöls auf den Märkten beenden. Die Produktion solle um täglich 1,5 Millionen Barrel (159 Liter) auf 23,5 Millionen gedrosselt werden, beschlossen die Erdölmi-nister des Öl-Kartells am Freitag in Kairo auf einem Sondertreffen. Dennoch rechneten zahlreiche Experten nicht damit, dass der Ölpreis in den kommenden Monaten tatsächlich auf deutlich über 20 Dollar steigt, wie es die Opec anstrebt.

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Die Reduzierung solle zunächst für ein halbes Jahr gelten, berichtete die Opec nach der Konferenz in Kairo. Damit hat das Kartell seine Förderung in diesem Jahr um insgesamt fünf Millionen Barrel auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren zurückgefahren. Voraussetzung für die Entscheidung waren die Zusagen von Ölländern außerhalb des Kartells (Russland, Norwegen, Mexiko, Angola Oman), die eigene Produktion um gut 450 000 Barrel zurückzunehmen. Die Opec-Minister wollen sich am 15. März in Wien erneut treffen, um über die Preise und Fördermengen zu beraten. Grafik: Benzinpreis-Entwicklung Die angekündigten Förderkürzungen haben den Ölpreis nach oben getrieben. Ein Barrel Opec-Öl habe am Donnerstag 18,68 Dollar gekostet, berichtete das Opec-Sekretariat am Freitag in Wien. Damit hat sich der Preis im Dezember von seinem Tief bei 16,84 Dollar wieder deutlich erholt.

Analysten blieben jedoch skeptisch, ob die Organisation die Preise dauerhaft auf über 20 Dollar heben kann. Sie verwiesen auf die traditionell mangelhafte Förderdisziplin der Opec-Mitglieder. Daneben sei unsicher, ob Russland seine Exporte auf lange Sicht reduzieren werde. Die Analysten der Deutschen Bank Research rechnen in einem Szenario mit einem Ölpreis von rund 17 Dollar während der kommenden sechs Monate.

Sollte die Opec mit ihrer Strategie indes Erfolg haben, ist eine Erhöhung der Benzinpreise dennoch keine zwangsläufige Folge. Unter den Ölkonzernen in Deutschland herrscht scharfer Wettbewerb um die Tankstellen-Kunden. "Die Verbraucher empfinden die Preise bereits als hoch, jeder weitere Pfennig Aufschlag könnte zu einer Abwanderung der Kunden zur Konkurrenz führen", sagte ein Sprecher der Esso Deutschland GmbH dem Tagesspiegel. Preissenkungen des Rohöls würden meist innerhalb weniger Tage beim Verbraucher ankommen. Bei einer Anhebung der Preise müsse es indes erst einen dauerhaften Trend geben, damit die Branche nachzieht, sagen Experten. Zudem steht durch die nächste Stufe der Öko-Steuer, eine Verteuerung des Benzins um 3,6 Cent an. Das erschwere eine Anhebung des Treibstoff-Preises zusätzlich.

Sollten die Ölpreise niedrig - also unter der Marke von 20 Dollar - bleiben, könnte das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2002 bis zu einem Prozentpunkt höher ausfallen als bisher erwartet. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prognostizierte, Deutschland werde bei konstanten Importmengen des Rohstoffs mit rund 24 Milliarden Euro rund 40 Prozent weniger als im Jahr 2001 für den Rohstoff ausgeben, berichtete das IW am Freitag in Köln. Ob dieser Konjunkturbonus tatsächlich zum Tragen kommt, sei allerdings auch von den Rahmenbedingungen abhängig. So müssten die Haushalte und Betriebe wieder mehr Zuversicht gewinnen.

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