"Benzin-Gipfel" : Biosprit E10 bleibt

Trotz der Verunsicherung bei Millionen Autofahrern wird am umstrittenen Biosprit E10 festgehalten. Regierung und Industrie einigen sich auf dem "Benzingipfel" nur auf bessere Informationen an Tankstellen.

A. Funk,K. P. Hoffmann
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP, r) gibt nach dem "Benzin-Gipfel" ein Statement ab. Links im Bild Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), dahinter mittig der VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP, r) gibt nach dem "Benzin-Gipfel" ein Statement ab. Links im Bild...Foto: dpa

Der neue, umstrittene Biokraftstoff E10 bleibt im Angebot. Darauf verständigte sich die Bundesregierung am Dienstag beim „Benzingipfel“ mit der Auto- und Kraftstoffindustrie. Vereinbart wurde, dass die Informationen über das mit Biokraftstoff angereicherte Benzin verbessert und verstärkt werden, wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach dem Treffen mitteilte. Es war notwendig geworden, weil die Autofahrer die seit einigen Wochen angebotene Benzinsorte nicht angenommen haben – aus Furcht, sie könnte den Motor des Wagens beschädigen. Stattdessen tanken viele das teurere Super-Plus-Benzin.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, künftig solle an den Tankstellen über die Verträglichkeit der neuen Benzinsorte ausführlich informiert werden. „Die Tankstelle ist der Ort, wo der Verbraucher Klarheit haben muss.“ Dort sollen Listen ausgelegt werden, welche Autos E10 vertragen. Eine solche offizielle Liste gibt es auch im Internet (siehe Link am Ende des Artikels). Alle Beteiligten an der Gesprächsrunde hätten E10 aus Gründen des Klimaschutzes und der Schonung der Ressourcen befürwortet, sagte Röttgen. Er betonte, Grund für die Einführung von E10 sei nicht zuletzt gewesen, die Abhängigkeit von Rohöl zu verringern. „Ich glaube, die Autofahrer in Deutschland wollen umweltbewusst sein“, fuhr der Umweltminister fort. Er verwies zudem darauf, dass die Einführung von E10 über Parteigrenzen hinweg gewollt sei. Seine Amtsvorgänger Jürgen Trittin (Grüne) und Siegmar Gabriel (SPD) hätten es gefordert, die Pläne aber nicht verwirklicht. Das sei keine verantwortungsbewusste Politik gewesen, sagte Röttgen.

Der Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, merkte nach der Gipfelrunde an: „Das Produkt wartet.“ Röttgen wies Spekulationen zurück, die Regierung werde die Androhung von Strafzahlungen gegen die Mineralölunternehmen zurücknehmen. Die sollen im Extremfall zwei Cent je Liter an den Fiskus zahlen, sollten sie die angestrebte Beimischungsquote von 6,25 Prozent Biosprit im Schnitt aller Kraftstoffsorten nicht erfüllen. „Selbstverständlich werden die Sanktionen nicht ausgesetzt“, sagte Röttgen.

Derzeit vertragen etwa drei Millionen Autos den neuen Sprit nicht. In der DAT-Liste, die auf Informationen der Autohersteller basiert und als rechtsverbindlich bezeichnet wird, lässt sich die E10- Verträglichkeit der Fahrzeugtypen feststellen. Demnach sind die meisten E10- tauglich. Ausnahmen werden einzeln aufgeführt – es handelt sich in der Regel um ältere Baujahre oder bestimmte Motorvarianten. Bei Volkswagen betrifft es beispielsweise einige Modellreihen aus den Baujahren 2001 bis 2006, bei Opel einige Modelle mit der Motorvariante „2.2 Direct“, bei Ford Mondeo-Modelle aus den Jahren 2004 bis 2006. Auch bei Mercedes-Benz sind Autos der Baujahre 2002 bis 2005 betroffen. BMW gibt an, alle Pkw-Modelle sämtlicher Baujahre seien unbedenklich, doch müsse die vorgeschriebene Oktanzahl beachtet werden.

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