Wirtschaft : Benzin ist so teuer wie noch nie

Nach „Katrina“ zapft US-Regierung Öl-Reserve an

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Berlin Die zuletzt stark gestiegenen Ölnotierungen haben am Mittwoch auch an den deutschen Tankstellen zu einem drastischen Preissprung geführt. Esso und Shell verteuerten an ihren Stationen Super um acht Cent je Liter und Diesel um drei Cent. Im Bundesdurchschnitt kosten die Kraftstoffe damit bei den großen Anbietern rund 1,39 Euro (Super) beziehungsweise 1,16 Euro. Zuvor waren die Preise für Benzin an der Rotterdamer Börse innerhalb von nur zwei Tagen um fast 20 Prozent gestiegen.

Der Grund sind die Produktionsausfälle in der amerikanischen Mineralölindustrie nach dem Hurrikan „Katrina“. An der New Yorker Warenterminbörse kostete ein Barrel (159 Liter) Leichtöl zwischenzeitlich fast 71 Dollar. Am Mittwochabend fiel der Preis unter die Marke von 69 Dollar. Die US-Regierung hatte angekündigt, ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. Außerdem fielen die neuen Zahlen zu den US-Lagerbeständen an Öl und Heizöl gut aus. Und die Produktion von Öl und Treibstoffen wird wieder am Golf von Mexiko langsam aufgenommen. So kehrten auf 163 Ölplattformen, die wegen „Katrina“ evakuiert worden waren, die Besatzungen zurück. 482 Plattformen blieben zunächt evakuiert.

Allerdings wachsen die Sorgen, der hohe Ölpreis könnte die Konjunktur ausbremsen. Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), befürchtet Schaden für die Binnennachfrage. „Wer keine Perspektive auf sinkende Preise hat, wird sein Geld nicht für den Konsum ausgeben“, sagte er mit Blick auf Besitzer von Ölheizungen. Das habe ohne Zweifel Folgen für die Binnenkonjunktur. Die Konjunkturexperten des DIHK gehen bislang davon aus, dass der Ölpreis das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,5 Prozentpunkte drückt. „Wir werden insgesamt nur noch bei einem Prozent landen“, sagte Wachstumsexperte Volker Treier. Die hohe Nachfrage nach dem Rohstoff aus den Schwellenländern spreche aber dafür, dass der Export weiter gut laufe. Steige der Ölpreis weiter im Tempo der vergangenen Tage, sei durchaus denkbar, dass das Wachstum die Marke von einem Prozent nicht erreicht, schränkte er ein. Dagegen halten zwar die Experten der Europäischen Kommission weiterhin an ihrer Prognose für das Wachstum in der Eurozone fest.

Die US-Wirtschaft wiederum ist im zweiten Quartal weniger stark gewachsen als bisher gedacht. Und wie sehr die US-Konjunktur durch „Katrina“ und das teure Öl leiden wird, ist noch nicht absehbar. Die Schätzungen für die versicherten Schäden reichen von zehn bis 25 Milliarden Dollar. Bei der US-Notenbank rechnet man durch den Hurrikan aber nur mit „Verzerrungen“. Das Wachstum soll aber auf Kurs bleiben. brö/hop

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