Wirtschaft : Benzin so billig wie seit März nicht mehr

Experten erwarten weiteren Rückgang des Ölpreises/ Opec erwägt Senkung der Förderquote

Bernd Hops

Berlin - Die Gefahr, dass der Ölpreis in diesem Winter wieder auf neue Rekorde steigt, ist offenbar gebannt. Am Mittwoch ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) Erdöl an der New Yorker Terminbörse weiter gefallen. Mit 40,60 Dollar erreichte er zwischenzeitlich den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten. Am Abend stieg er nach neuen US-Daten zu den Ölvorräten kurzfristig an, pendelte sich dann bei rund 42 Dollar ein. Auch die Autofahrer in Deutschland profitieren vom billigeren Öl. Der ADAC teilte mit, Benzin und Diesel seien auf den niedrigsten Stand seit März gesunken. Auch Heizöl ist deutlich billiger geworden. Experten rechnen damit, dass der Trend weiter nach unten zeigt. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) denkt daher darüber nach, im kommenden Frühjahr ihre Förderquoten zu senken.

Ende Oktober hatte ein Barrel in New York zwischenzeitlich fast 56 Dollar gekostet. Analysten hatten darüber spekuliert, dass der Preis sogar auf 60 Dollar und mehr steigen könnte. Doch stattdessen gab er nach und schwankte im November zwischen 45 und 50 Dollar. Die Sorgen um einen möglichen Engpass bei der Versorgung wegen der häufigen Anschläge im Irak und drohender Streiks in Nigeria hielten ihn auf dem Niveau. Außerdem wurde darauf spekuliert, dass der Winter in den USA hart und deshalb der Heizölvorrat knapp werden könnte.

Doch bisher ist der Winter in den USA mild – und die Vorräte haben sich gut entwickelt. „Der Trend zeigt deutlich unter die 40-Dollar-Marke“, ist sich Helmut Buchmann vom Fachinformationsdienst Oil Market Report (OMR) sicher. „Auch im ersten Quartal 2005 werden wir voraussichtlich mehr Öl auf dem Markt haben, als nachgefragt wird.“ Das bedeute, dass die Vorräte weiter aufgefüllt werden könnten. Ein Faktor, der in der Regel zu einer Entspannung an den Ölmärkten sorgt. Außerdem seien noch viele Anleger an den Ölterminmärkten engagiert, die den Rohstoff spekulativ – mit Hoffnung auf weiter steigende Preise – gekauft hätten. Die Positionen würden zu einem großen Teil in den kommenden Wochen fällig, sagte Buchmann dem Tagesspiegel. Das werde den Preis ebenfalls drücken. Die deutschen Verbraucher dürften deshalb in den kommenden Wochen ihre Heizölvorräte wesentlich günstiger auffüllen können.

Die fallenden Ölpreise haben die Opec auf den Plan gerufen. Der Präsident des Kartells, Purnomo Yusgiantoro sagte am Mittwoch, man werde wahrscheinlich im kommenden Frühjahr über eine Kürzung der offiziellen Förderquoten beraten.

Am kommenden Freitag kommen die Ölminister der Opec in Kairo zusammen. Dort soll noch keine Kürzung besprochen werden. Allerdings sind sich die Mitglieder des Kartells nicht einig, wie mit den geltenden Quoten umgegangenen werden muss. Denn zurzeit fördern fast alle Opec-Staaten am Limit – und mehr als eigentlich erlaubt. Statt 27 Millionen Barrel am Tag sind es etwa 28,5 Millionen. Wegen der hohen Ölpreise hatte die Organisation ihren Mitgliedern freie Hand bei der Förderung gelassen. Die Gefahr bestand, dass der teure Rohstoff die Erholung der Weltkonjunktur abwürgen könnte. Jetzt hat die Opec jedoch Sorge, dass der Preis zu schnell fallen könnte. Deshalb plädieren einige Länder dafür, das Quotensystem wieder strenger anzuwenden. Allerdings hatte erst vor kurzem Saudi-Arabien, das wichtigste Opec-Mitglied, angekündigt, seine Produktion deutlich ausweiten zu wollen.

Auf jeden Fall dürfte das Kartell am Freitag darüber sprechen, sein Preisband anzuheben, sagte Buchmann vom OMR. Bisher strebt die Opec einen Preis von 22 bis 28 Dollar je Barrel an. Angesichts der schwachen US-Währung brachte Opec-Präsident Yusgiantoro 28 bis 34 oder 35 Dollar ins Spiel.

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