Wirtschaft : Benzin und Diesel nochmal teurer

Fast zwei Drittel kassiert der Staat. Lufthansa und Air Berlin erhöhen ihre Kerosinzuschläge

Berlin - Drei Preisrunden an den Tankstellen in drei Tagen, neue Rekordwerte von 1,35 Euro für einen Liter Diesel und 1,47 Euro für Superbenzin – die abgelaufene Woche hat den Autofahrern in Deutschland wehgetan. Wirtschaft und Verbraucher könnten nur dann mit niedrigeren Preisen rechnen, wenn die Ölpreise deutlich zurückgehen oder die Mineralölsteuern sinken würden. Beides ist nicht zu erwarten. „Die Forderung nach einem Benzingipfel ist populistisches Getöse“, sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg. Bei einem Preis von 1,45 Euro für einen Liter muss der Autofahrer für eine Tankfüllung von 50 Litern 72,45 Euro bezahlen. Davon fließen 44,52 Euro oder 61,5 Prozent in die Kasse der Finanzämter. Für den Einkauf des Benzins, Transport- und Vertriebskosten, den Tankstellen-Pächter sowie die Mineralölgesellschaft bleiben 27,93 Euro.

Verglichen mit den Märkten für Strom oder Gas ist der Öl- und Benzinsektor von einem intensiven Wettbewerb geprägt. Von den knapp 15 000 Tankstellen in Deutschland betreiben Aral, Shell, Esso und Total nicht einmal die Hälfte. Gemessen am Absatz kommen die vier Mineralölgesellschaften auf einen Anteil von rund 60 Prozent. ,„Der Markt ist völlig transparent“, sagt Rainer Wiek vom Erdöl-Informationsdienst. Raum für Preisabsprachen gebe es nicht. Aral-Sprecher Ulrich Winker führt gerade die zahlreichen Preiserhöhungen und -senkungen auf den intensiven Wettbewerb zurück. „Die deutsche Mineralölindustrie hat im ersten Halbjahr operativ etwa 600 bis 700 Millionen Euro verdient, davon den größten Teil in den Raffinerien“, sagte Wiek auf Anfrage. „Das nimmt sich im Vergleich zu den großen Energieversorgern bescheiden aus.“ So gehören die Benzinpreise in Deutschland ohne Steuern zu den niedrigsten in Europa.

Wegen der höheren Kraftstoffpreise kündigte Air Berlin am Freitag einen höheren Kerosinzuschlag an. Am Donnerstag hatte bereits die Lufthansa eine Preiserhöhung bekannt gegeben. Auf den Langstrecken der Air Berlin, die von dem im Spätsommer übernommenen Ferienflieger LTU bedient werden, erhöht sich der Zuschlag von 60 auf 70 Euro. Auf Mittelstrecken, etwa ans Mittelmeer oder auf die Kanaren, steigt er von 23 auf 28 Euro. Auf Strecken innerhalb Deutschlands sowie bei Verbindungen mit europäischen Städten bleibt es bei 18 Euro für die einfache Strecke.

Die Lufthansa hatte ihren Zuschlag nur auf der Langstrecke angehoben. Ab dem 14. November beträgt er 77 Euro pro Streckenabschnitt – zehn Euro mehr als bisher. Innerhalb Deutschlands und Europas bleibt es bei 14 Euro pro Strecke. dpa/jul

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