Wirtschaft : Benzinpreise: Die Preise steigen wieder

msh

Die Autofahrer in Deutschland können nicht damit rechnen, dass die Benzinpreise in den nächsten Wochen weiter sinken. Nachdem das Ölförderkartell Opec am Mittwoch eine Kürzung der Fördermengen angekündigt hatte, stiegen die Preise für Rohöl und Ölprodukte spürbar.

Der Preis für einen Barrel (159 Liter) Rohöl kletterte auf 24,26 Dollar. Eine Tonne bleifreies Benzin kostete gestern 234 Dollar, acht Dollar mehr als am Vortag. "Die Zeit der fallenden Preise ist definitiv vorbei", sagt Claudia Hedrys, Sprecherin der Deutschen Shell. Auch der Mineralölwirtschaftsverband sieht den "Abwärtstrend bei den Benzinpreisen gestoppt".

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hatte am Mittwoch beschlossen, die Rohölförderung in ihren Mitgliedsstaaten ab dem 1. September um eine Million Barrel pro Tag zu drosseln. Ziel der Opec ist es, den zuletzt unter Druck geratenen Ölpreis bei rund 25 Dollar zu stabilisieren. Die Opec-Länder reagieren damit auf die weiterhin schwache Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und Europa, wo die Konjunkturflaute den Ölverbrauch reduziert hat.

Seit Mai konnten sich die Autofahrer daher über stetig sinkende Benzinpreise freuen: Der Preis für einen Liter Normalbenzin reduzierte sich in den Sommermonaten von 2,19 Mark auf 1,92 Mark im Durchschnitt aller Tankstellen in Deutschland. In Regionen mit besonders scharfem Wettbewerb ist der Sprit sogar noch deutlich günstiger. Obwohl die Preise für Ölprodukte als Reaktion auf die Ankündigungen der Opec gestiegen sind, ist noch unklar, in welche Richtung sich die Benzinpreise in den nächsten Monaten entwickeln werden. "Wir beobachten den Markt zur Zeit sehr kritisch. Wir können aber noch nicht sagen, ob wir die Benzinpreise erhöhen werden", sagt Stefanie Hansen, Sprecherin der Aral. Grundsätzlich reagierten die Benzinpreise durchaus innerhalb weniger Tage auf Preissteigerungen am Rohölmarkt.

"Kurzfristig ist mit einem Anstieg der Benzinpreise zu rechnen", sagt Jens-Uwe Wächter, Öl-Analyst bei der Deutschen Bank Research. In den nächsten Monaten komme es aber darauf an, wie sich die Nachfrage nach dem schwarzen Gold entwickelt. "Die Lager in Europa und den USA werden derzeit gefüllt und der Irak exportiert nach einer Unterbrechung wieder. Das spricht dafür, das die Rohölpreise unter Druck geraten könnten."

Deutlicher wird der Rohstoffexperte der Dresdner Bank, Wolfgang Wilke: "Die Konjunkturflaute führt zu einem Rückgang der Nachfrage. Ich sehe den Ölpreis bald wieder fallen." Die Reduzierung der Fördermengen durch die Opec reiche nicht aus, um das Überangebot in absehbarer Zeit zu verringern. Wilke rechnet damit, dass sich der Euro in den nächsten Monaten fester entwickelt, was ebenfalls einen senkenden Einfluss auf den Benzinpreis in Deutschland habe.

In der Mineralölwirtschaft wird die Förderpolitik des OPEC-Kartells durchaus wohlwollend beurteilt, da sie die Preisschwankungen vermindert und allen Teilnehmern am Markt eine verlässlichere Grundlage für ihre Entscheidungen bietet. "Stabile Preise sind auch im Interesse der Verbraucher", sagt Birgit Layes, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV). Die Opec wolle mit ihrer Politik nicht den Ölpreis nach oben treiben, sondern verhindern, das er "nach unten durchrutscht". Die Opec, zu der wichtige Förderländer wie Saudi Arabien, der Iran und Kuwait gehören, will mit seinen aufeinander abgestimmten Fördermengen den Preis für einen Barrel Öl in einer Preisspanne von 22 bis 28 Dollar halten.

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