Wirtschaft : Berater profitieren von den Euro-Vorbereitungen

Vor allem Mittelständler brauchen externe Hilfe


BERLIN.(tsp) "Ganz geringÒ sei das Interesse an Beratungen zum Euro noch zu Jahresanfang gewesen, erinnert sich Michael Bormann.Doch das war einmal.Seit März registriert der Unternehmensberater deutlich mehr Kundenanfragen zu der Gemeinschaftswährung.Sicher, die meisten Chefs seien nicht ganz von alleine auf den Eurozug aufgesprungen.In den Mitteilungen der Unternehmensberatung BDP hätten sie ihre Klienten immer wieder auf die nahende Währungsumstellung hingewiesen, sagt Bormann.Mittlerweile kommen ein, zwei Prozent der Umsätze durch Beratungen zum Euro in die Kassen.Bis 2002, schätzt der Diplom-Kaufmann, läßt sich mit der neuen Währung Geld verdienen. "Ein Mittelständler kann keine Truppe für die Euroumstellung freistellenÒ, sagt Bormann, der hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen betreut.Deshalb stehen die Fachleute der Berliner Kanzlei den Unternehmen zur Verfügung ­ immer mal wieder, wie Bormann betont.Die Anstöße sollten von den Unternehmensberatern kommen, um die Umsetzung müßten sich dann aber die Firmen selbst kümmern.Bevor es soweit ist, untersuchen die Mitarbeiter der BDP, welche Unternehmensteile von der Währungsumstellung betroffen sind.Bormann unterscheidet zwischen direkten und indirekten Wirkungen.Zu ersteren zählt er das neue Geld.Wer beispielsweise Tankstellen betreibt oder ausrüstet, muß rechtzeitig an Umrüstsätze der Automaten denken.Mitarbeiter müssen geschult werden im Umgang mit doppelter Kassenführung. Auch die Betriebsorganisation bleibt nicht verschont: "Der Euro ist eine Chance zur EntschlackungÒ, ist Bormann überzeugt.Der Abschied von den 99-Pfennig-Preisen mache ganz neue Kalkulationsverfahren nötig.Hauptbetroffene: Die Lebensmittelindustrie.Joghurtbecher könnten im Zeichen des Euro ganz andere Größen bekommen. Damit noch nicht genug: Die Unternehmensberatung durchforstet das gesamte Vertragswerk der Firmen.Wer viel an Großkunden liefert, sollte sich schnell mit den Konzernen an einen Tisch setzen: "Wenn Siemens mit dem Euro arbeitet, muß ich in Euro kalkulierenÒ, so Bormann.Bei Lieferungen ins Ausland könnten die Unternehmen künftig vielleicht sogar günstiger anbieten, weil die Transaktionskosten geringer ausfielen.Bormann rät seinen Klienten, früh mit der doppelten Preisauszeichnung zu beginnen, um die Kunden an neue Beträge zu gewöhnen.Und noch eine Chance biete sich: Ohne Währungsschwankungen könnten auch Mittelständler europaweit auftreten. Vor dem gesamteuropäischen Reibach stehen freilich die Umstellungskosten.Rund 10 000 DM würden an Beratungsgebühren anfallen, schätzt Bormann.Da viele Mittelständler ihre Buchführung vom Steuerberater bearbeiten ließen, hätten sie mit dem Euro wenig Probleme."Richtig um den Euro kümmern müssen sich nur die, die ihre Buchführung selber machen.Ò Daneben müßten neue Formulare angeschafft werden, "die lassen sich jetzt schon neu gestaltenÒ. Für Unternehmer sei derzeit am wichtigsten, sich die Zeit zu nehmen, um über den Euro und seine Auswirkungen nachzudenken."Das Immaterielle ist bedeutsamer als das GeldÒ, ist Bormann überzeugt.Für viele werde jetzt die Zeit zum Hauptproblem.Bis ein Unternehmen auf den Euro eingestellt ist, rechnet er mit 18 Monaten.Könne eine Firma Beschäftigte extra für den Euro abstellen, reduziere das die Umstellungszeit erheblich.Noch sei kein Unternehmen fit für den Euro ­ "weil vieles von Brüssel und Bonn aus noch ungeklärt istÒ.Viele seien allerdings auf "gutem WegeÒ.

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