Wirtschaft : Berater: Wettbewerb begünstigt Korruption

-

Bonn/Düsseldorf - Die Schmiergeldaffäre bei Siemens zeigt nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU, dass der strenge deutsche Gesetzesvollzug „auch ein Wettbewerbsnachteil“ sein könne. „Nicht überall herrschen weltweit ähnliche Bedingungen“, teilte BDU-Präsident Rémi Redley am Montag mit. Es sei eine Illusion zu glauben, im weltweiten Kampf um Aufträge und Arbeitsplätze sei es Unternehmen möglich, sich der Korruption vollständig zu entziehen, so der BDU-Präsident. Schließlich stünden deutsche Unternehmen „in gnadenloser globaler Konkurrenz“ zu anderen Nationen. „Der strenge deutsche Gesetzesvollzug ist zwar zu begrüßen, aber er kann auch ein Wettbewerbsnachteil sein.“ Der Kampf gegen die Korruption dürfe deshalb keineswegs nachlassen, nur müsse er grenzübergreifend ausgerichtet sein: „Notwendig ist das vollständige Austrocknen der Korruption, und zwar in zweierlei Sicht: Zum einen müssen die auftragsvergebenden Länder stärker ins Visier genommen werden, zur Not auch mit drastischeren Mitteln – etwa Embargomaßnahmen – durch weltweite Organisationen.“ Zum anderen müsse die Politik alles daransetzen, dass die Konkurrenten Deutschlands auf dem Weltmarkt mit denselben rechtlichen Rahmenbedingungen zu rechnen hätten, forderte Redley.

Unterdessen zeigt die Siemens-Affäre negative Wirkung bei den Kunden des Konzerns. Eine Sprecherin des PC-Produzenten Fujitsu Siemens Computers (FSC) bestätigte dem „Handelsblatt“, dass das Unternehmen viele Zuschriften empörter Kunden wegen der Affäre bekommt. FSC gehört zu den wenigen Teilen des Konzerns, der seine Produkte an Privatkunden verkauft. Die Sprecherin wollte sich zu Details der Reaktionen nicht äußern. Im Umfeld des Unternehmens hieß es aber, zum Teil würden die Leute damit drohen, wegen der Bestechungsaffäre keine Produkte von FSC mehr zu kaufen.

Für FSC sind die negativen Zuschriften besonders bitter, denn mit dem Siemens-Konzern hat das Unternehmen nicht viel zu tun. Die Münchener gehören zu gleichen Teilen Siemens und dem japanischen Fujitsu-Konzern. Europas größter Computerhersteller führt sein Geschäft weitgehend unabhängig von seinen Eigentümern. Bei Siemens wird FSC lediglich als Beteiligung geführt. dpa/HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben