Wirtschaft : Berg- und Talfahrt am Rentenmarkt

FRANKFURT (MAIN) (rob/HB/Tsp). Am Euro-Rentenmarkt herrscht Nervosität. Hohe Kursschwankungen prägen das Bild. Nach einer kurzen Erholung zum Wochenschluß sind die Notierungen am Montag erneut eingebrochen. Der europäische Markt konnte nicht von den Kursgewinnen bei US-Staatsanleihen im asiatischen Handel profitieren. Am Nachmittag hat er sich aber kräftig erholt. "Es gibt es doch nichts schwerwiegend Neues", stöhnte ein Händler angesichts der Berg- und Talfahrt der Kurse. Nach seiner Meinung belasteten zunächst vor allem die guten Konjunkturzahlen aus Frankreich. Von diesen Daten seien Rückschlüsse auf die Entwicklung der Konjunktur in Europa insgesamt gezogen worden. Der Index der Geschäftserwartungen hatte sich in Frankreich im Juni auf minus neun von minus 18 im Vormonat verbessert.

Pessimisten fürchten nach Meinung eines anderen Händlers bereits, daß die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen wird. Außerdem erwartet man auf dem Parkett, daß die US-Notenbank Fed die geldpolitischen Zügel bei der Sitzung des Offenmarktausschußes am Dienstag und Mittwoch straffen wird. Immer mehr Stimmen werden in dieser Debatte um die Zinsen laut, die nicht nur eine einmalige Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte erwarten. Häufiger ist von einer Anhebung um 0,50 Prozentpunkte die Rede. Auch könne eine erste Erhöhung der Anfang weiterer Maßnahmen sein. Infolge der Diskussionen in Deutschland schmolz der Renditeabstand zwischen US-Staatstiteln und Bundesanleihen auf unter 1,50 Prozentpunkte zusammen. Doch trotz aller Nervosität hat sich der Rentenmarkt auch in Deutschland erholt, nachdem die amerikanischen Staatsanleihen im frühen New Yorker Geschäft freundlich tendiert hatten. Das Stimmungsbarometer Bund-Future notierte gegen 15 Uhr 45 (MESZ) bei 109,62 (Tageshoch/-tief: 110,12/108,95) Prozent. Die Kassakurse öffentlicher Anleihen wurden in 98 Fällen um bis zu 0,300 Prozentpunkte zurückgenommen und einmal um 0,100 Prozentpunkte erhöht. Die Umlaufrendite stieg um drei Stellen auf 4,34 Prozent. Die Bundesbank kaufte zur Marktpflege in Frankfurt per Saldo Titel im Nennwert von 96,1 Mill. Euro. Die jüngste zehnjährige Bundesanleihe rentierte am Nachmittag mit 4,56 Prozent. Die Schwäche bei Anleihen wirkte sich auch auf den Euromarkt aus. Die Emittenten hielten sich zurück. Voraussichtlich am heutigen Dienstag wird Mannesmann mit der variabel verzinslichen Anleihe über zwei Mrd. Euro kommen. Das Führungsmandat haben Commerzbank und Paribas erhalten. Am Freitag hatten Großanleger Anleihen auf dem Rentenmarkt verkauft, weil sie höhere Renditen fürchteten. Dadurch war die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe zeitweilig auf 4,65 Prozent geklettert.

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