Bergbau : Letzte Etappe des Kohleausstiegs

Mit dem Duisburger Bergwerk Walsum stellte die erste von noch acht deutschen Steinkohlezechen am Donnerstag ihre Förderung ein. Der größte Teil der 1375 Beschäftigten soll in den verbleibenden Zechen weiterarbeiten.

Voerde230 Mitarbeiter wechseln in andere Branchen oder gehen in den Vorruhestand, sagte Werksleiter Hans-Dieter Kollecker am Schachtstandort Voerde. Bis Jahresende werden auf der Zeche Walsum noch die Maschinen abgebaut und die Schächte zugeschüttet.

Der Bundestag hatte 2007 den endgültigen Kohleausstieg beschlossen. Bis 2018 müssen alle Zechen geschlossen sein. 2012 wird der Ausstieg noch einmal überprüft. Wenn erst einmal alle Steinkohlezechen geschlossen sind, muss die Kraftwerkskohle komplett aus dem Ausland importiert werden. Bisher kommen von dort zwei Drittel der Kraftwerkskohle. In Deutschland muss der Steinkohlebergbau mit Milliardenaufwand bezuschusst werden. Dagegen kann etwa in Australien deutlich günstiger gefördert werden, weil die Kohle dort näher an der Oberfläche liegt.

Bis zur Überprüfung des Ausstiegs 2012 werden im Ruhrgebiet noch die Zechen Lippe (Gelsenkirchen), Ost (Hamm) und West (Kamp-Lintfort) sowie im Saarland die Zeche Saar geschlossen – und nur noch zwölf der derzeit 21 Millionen Tonnen gefördert werden. Die Zahl der Bergleute muss von 30 000 auf 15 000 sinken.

Bis 2018 sollen die letzten drei Zechen Ibbenbüren, Auguste Victoria und Prosper Haniel folgen. Dann kann es nach Angaben des Betriebsrates zu Personalüberhängen im Umfang von zeitweise bis zu 2500 Beschäftigten kommen. Der Zechenbetreiber RAG Deutsche Steinkohle AG überlege derzeit, wie vermehrt Bergleute in Fremdfirmen – unter anderem auch im Ausland – untergebracht werden können. Sie seien sehr gut ausgebildet und am Markt durchaus gefragt, sagte Walsum-Betriebsratschef Michael Hörning. Auf Walsum waren bereits rund 1400 Stellen abgebaut worden.

Völlig offen ist die Fortführung des privaten Bergbaus. Für die Planung einer Kokskohlezeche in Hamm, dem Projekt Donar, haben sich private Investoren beworben. Sie wollen zumindest die weitere Planung finanzieren. Kokskohle kann derzeit im Gegensatz zur Kraftwerkskohle mit geringeren Subventionen gefördert werden. Bei steigendem Weltmarktpreis könnte sich eine neue Zeche für Kokskohle, die von Stahlwerken benötigt wird, rentieren. dpa

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