Berggruen-Konzept : Karstadt wird zerlegt

Das KaDeWe soll in eine Luxussparte ausgegliedert werden. Verkaufspläne gibt es aber offenbar nicht.

David C. Lerch
Berliner Ikone. Seit mehr als 100 Jahren lädt das Kadewe in der Tauentzienstraße zum Shoppen ein. Seit 1994 gehört das Haus zum Karstadt-Konzern.
Berliner Ikone. Seit mehr als 100 Jahren lädt das Kadewe in der Tauentzienstraße zum Shoppen ein. Seit 1994 gehört das Haus zum...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Essen- Die neue Karstadt-Welt soll neue Kunden ansprechen – in unterschiedlichen Sprachen. Dafür soll der Konzern nach der Insolvenz in mehrere kleine Teile zerlegt werden, darunter eine Luxussparte mit dem Berliner KaDeWe. So sieht es das Konzept des designierten Eigentümers Nicolas Berggruen vor, über das derzeit mit dem Vermieterkonsortium Highstreet verhandelt wird. „Kleine Geschäftsbereiche sind leichter zu managen und können schneller reagieren“, erklärte Berggruens Sprecher Wolfgang Weber-Thedy. Zudem könnten so strategische Partner für die jeweiligen Segmente gewonnen werden. Auch für die Premiumsparte seien Kooperationen geplant.

In wie viele einzelne Gesellschaften Karstadt künftig unterteilt wird, ist noch offen. Als sicher gelten eine Luxussparte mit dem KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München sowie eine Ausgliederung der rund 30 Karstadt-Sport-Filialen. Auch eigenständige Sparten für die Lebensmittel oder für einzelne Eigenmarken wie Alex scheinen denkbar. Gerüchte über eine vermischte Einheit mit sieben Sporthäusern, dem KaDeWe und dem Alsterhaus wies Weber-Thedy zurück. Ob auch die Aufteilung derzeit mit Highstreet verhandelt werde, kommentierte er nicht.

Zuletzt hatten einzelne Medien über einen geplanten Verkauf einzelner Unternehmensteile spekuliert. Das dementierte Berggruens Sprecher. „Bei jeder Sparte wird Karstadt die Kontrolle behalten“, sagte er. Zudem seien die Pläne mit den Gewerkschaften und dem Insolvenzverwalter seit Wochen abgestimmt. „Berggruen hat die Weiterführung aller Filialen garantiert, dabei bleibt es.“

Experten halten es dennoch nicht für ausgeschlossen, dass sich Berggruen zu einem späteren Zeitpunkt von einzelnen Gesellschaften trennen wird. „Die Umstrukturierung passt nicht so recht zu der Ankündigung, Karstadt als Ganzes zu erhalten“, sagt Marco Atzberger von der Handelsberatung EHI Retail. Schon einmal, im August 2005, hatte sich Karstadt unter der Führung von Thomas Middelhoff von insgesamt 74 kleineren Filialen getrennt, die später unter dem Namen Hertie weitergeführt und inzwischen abgewickelt wurden. „Man darf gespannt sein, ob Herr Berggruen das wiederholen wird“, sagt Atzberger.

Kurzfristig erscheint das ausgeschlossen. Man geht davon aus, dass der Kaufvertrag den unternehmerischen Freiheiten des neuen Eigentümers enge Grenzen setzt. „Vermutlich existieren Auflagen des Insolvenzverwalters, die eine Zerschlagung von Karstadt verhindern, zumindest für eine gewisse Zeit“, erklärt Mirko Warschun, Handelsexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

Hätte Highstreet bei der entscheidenden Gläubigersitzung am 7. Juni den Zuschlag bekommen, wäre Karstadt wohl zerschlagen worden. Das geht aus einem vertraulichen Eckpunktepapier hervor, das dem Tagesspiegel vorliegt. Darin verständigen sich Betriebsratschef Hellmut Patzelt und eine Vertreterin von Whitehall, der Immobilientochter von Goldman Sachs, die Highstreet führt, auf den „Verkauf von Betriebsteilen an Dritte“. Ausdrücklich erwähnt wird die geplante Veräußerung des KaDeWe „innerhalb der nächsten Jahre“. Zudem sollte der alte Karstadt-Chef Stefan Herzberg erneut an die Konzernspitze rücken. Parzelt wird ein sehr gutes Verhältnis zu ihm nachgesagt. Das geheime Dokument wurde am 20. Mai 2010 in Amsterdam unterschrieben, allerdings nur von Whitehall.

Besonders brisant ist, dass der Arbeitnehmervertreter auch Einschnitte für die Mitarbeiter verspricht, etwa eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Verdi distanzierte sich am Dienstag von der geheimen Absprache. „Wir haben das Eckpunktepapier weder mitverhandelt noch unterschrieben“, erklärte eine Sprecherin. Im Gläubigerausschuss stimmte Verdi gegen Highstreet, nach eigenem Bekunden wegen der geforderten längeren Arbeitszeiten. Patzelt dagegen votierte für die Vermieter.

Am Dienstagabend bestätigte Patzelt die Verhandlungen mit Highstreet. Zu dem Dokument sagte er: „Es ist ein halbfertiges Papier, das längst vom Tisch ist.“ Es sei der Versuch gewesen, Karstadt zu retten, als das Angebot von Berggruen noch nicht vorlag. Berggruens Offerte ging am 21. Mai bei der Insolvenzverwaltung ein.

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