Wirtschaft : Berggruen legt nach

Investor bietet mehr für die Metro-Tochter Kaufhof Aufsichtsrat soll neuen Finanzchef bestimmen.

von
Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Im Rennen um die Warenhauskette Kaufhof bessert der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen nach. Der Investor hat nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Finanzkreisen sein Angebot für die Metro-Tochter aufgebessert. Berggruen hatte sich jüngst mit dem Finanzinvestor Blackstone verbündet. Das jetzt verbesserte Angebot beinhalte nicht nur einen höheren Preis für die Warenhauskette, sondern mache deutlich, dass Berggruen an einer eigenständigen Kaufhof-Gruppe mit eigenem Management und einem eigenen Mitarbeiterstamm festhalten wolle, schrieb die Zeitung. Eine Berggruen-Sprecherin bestätigte auf Anfrage, dass der Investor „in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch“ der Metro ein verbessertes Angebot vorgelegt habe. Zum Preis machte sie keine Angaben. Auch die Metro bestätigte die neue Offerte.

Metro-Chef Eckhard Cordes fordert für die seit 2008 zum Verkauf stehende Warenhaus-Tochter zwischen zwei und drei Milliarden Euro. Die Aktie des Düsseldorfer Handelskonzerns profitierte am Donnerstag von den neuen Entwicklungen und legte knapp zwei Prozent zu.

Mit dem neuen Angebot will Berggruen auch die Befürchtungen der Arbeitnehmervertreter zerstreuen, dass er Kaufhof und Karstadt zusammenführen und etliche Standorte schließen könnte. „Berggruen hat verbindliche Zusagen zu Standorten und Mitarbeitern gemacht“, hieß es aus dem Umfeld des Investors. Klar ist aber auch, dass Berggruen unter Druck steht: Karstadt machte dem „Handelsblatt“ zufolge 2010 einen Verlust von 74,5 Millionen Euro.

Berggruens neue Offerte kommt pünktlich zur heutigen Aufsichtsratssitzung der Metro, auf der auch der Kaufhof-Verkauf behandelt wird. Und sie kommt zu einer Zeit, in der der bisherige Favorit, der österreichische Immobilieninvestor René Benko, mächtig unter Druck geraten ist. Denn erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass die Wiener Staatsanwaltschaft seit 2009 wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen den 34-Jährigen ermittelt. Eine Entscheidung über den Zuschlag für die Signa-Holding von Benko wird deshalb am Freitag nicht erwartet. „So lange der Aufsichtsrat nicht sichergehen kann, dass bei der Untersuchung gegen Benko nichts herauskommt, wird der Deal nicht abgesegnet“ , erfuhr der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen. Zunächst wolle das Gremium sich ein „klares Bild über die Vorgänge machen“. Zudem erwartet der Aufsichtsrat umfassende Informationen über die Offerte Benkos – auch zur Finanzierung der Übernahme. Der Österreicher soll rund zwei Milliarden Euro für Kaufhof geboten haben. Kürzlich hatte der „Spiegel“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, Teile der Führungsebene und des Aufsichtsrats hätten „erhebliche Bauchschmerzen“ wegen der Vorwürfe.

Offenbar hatte jene Luxemburger Bank 2009 Anzeige erstattet, über die die Signa-Holding eine Immobilientransaktion abgewickelt hatte. Die kurze Haltefrist und der dennoch angefallene hohe Gewinn sorgten für Skepsis. Der Österreicher hatte erst kürzlich im Tagesspiegel beteuert, an den Vorwürfen sei „nichts dran“ und versprochen, diese zu entkräften.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen. „Wir sind in der Auswertungsphase“, sagte eine Sprecherin der Behörde in Wien. Die Aufsichtsratssitzung der Metro „spielt für uns nicht wirklich eine Rolle jetzt im Ermittlungsverfahren.“

Für Benko, der bisher als einziger Zugang zum Datenraum des Kaufhofs hatte, könnten die Ermittlungen gefährlich werden. Eigentlich wollte er, der in den vergangenen Wochen durch Investitions- und Standortzusagen versuchte, die Arbeitnehmervertreter hinter sich zu bringen, das Geschäft noch vor Weihnachten unter Dach und Fach bringen. Die Banken, auf die er beim Kaufhof-Deal dringend angewiesen ist, könnten das Vertrauen verlieren und ihr Geld versagen. Am Donnerstag hieß es aus seinem Umfeld jedoch, er sei zuversichtlich, am Ende doch noch als Gewinner aus dem Bieterkampf hervorzugehen.

Was Benko schadet, könnte nun Berggruen nützen. Doch klar ist: Die Metro zögert, dem Karstadt-Eigner und damit dem direkten Konkurrenten einen Blick in die Kaufhof-Bücher zu gewähren.

Neben Benko und Berggruen ist auch noch der Ex-Karstadt-Quelle-Chef und Ex-Kaufhof-Vorstand Wolfgang Urban interessiert. Er wollte sich am Donnerstag jedoch nicht näher zu seinem Angebot äußern. In Branchenkreisen werden dem Manager jedoch nur wenig Chancen eingeräumt. Weiterhin soll auch die spanische Warenhauskette „Corte Inglés“ Interesse angemeldet haben.

Auf der Tagesordnung am heutigen Freitag im Aufsichtsrat steht neben Kaufhof auch noch die Wahl eines neuen Finanzvorstands, da der noch amtierende Olaf Koch zum Beginn des Jahres Cordes an der Konzernspitze folgt. Kreisen zufolge werde eine interne Lösung favorisiert. Als Favorit gilt der Finanzchef des Großmarktgeschäfts der Metro in Europa, Mark Frese, hieß es am Donnerstag im Umfeld des Konzerns. Ein Metro-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren. Unterdessen wurde bekannt, dass der Metro-Kommunikationschef Michael Inacker um Auflösung seines Vertrags zum Jahresende gebeten hat.

Die Causa Kaufhof könnte sich also noch bis ins neue Jahr hinziehen. Der noch amtierende Konzernchef Cordes hatte immer wieder betont, es gebe keine Eile beim Verkauf der Warenhaustochter. Doch das könnte sich ändern: Während der Handel am Donnerstag Zuversicht für das restliche Weihnachtsgeschäft verkündete, hatte die Metro aufgrund schleppender Feiertagsgeschäfte kürzlich die Konzernprognose gesenkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben