Wirtschaft : Bergsteiger-Dax ist im Höhenrausch

Hausse scheinbar ohne Ende Kursrückschläge zum Kauf nutzen BERLIN (cbu)."Schwache Tag sind immer gute Tage, da soll man nicht traurig sein, sondern einsteigen", weiß Peter Hanker, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Berliner Volksbank.Doch die von vielen Anlegern fast schon herbeigesehnten "schwachen Tage" waren seit Jahresanfang an der deutschen Börse sehr selten.Der Deutsche Aktienindex Dax eilte vielmehr von Hoch zu Hoch: In den vergangenen zwei Wochen erreichte das deutsche Börsenbarometer insgesamt sieben neue Höchststände.Der Dax ist mehr und mehr zu einem Bergsteiger im Höhenrausch geworden. "Die Hausse nährt die Hausse", heißt eine alte Börsenweisheit.Gehen die Kurse an einem Tag in die Knie, nutzen die Anleger die Lage zu neuen Käufen und treiben damit die Börse weiter in die Höhe.Angesichts der positiven Rahmendaten - anziehende Konjunktur, niedrige Zinsen, steigende Unternehmensgewinne - geben sich die meisten Börsenanalysten weiter optimistisch.Klaus Tafferner, Analyst beim Bankhaus Delbrück & Co., beispielsweise traut dem Dax schon das Ereichen der 6000-Punkte-Marke zu.Die technischen Faktoren sprechen seiner Ansicht nach für eine weitere Bergfahrt.Die "Wirtschaftswoche" titelte gar in der vergangenen Woche: "Dax 10 000?" Realistischer gibt sich Volksbank-Experte Hanker.Er sieht einen Dax-Stand von 5500 Punkten im Bereich des Möglichen.Ein Rückschlag auf bis zu 5000 Punkten sei aber kurzfristig nicht auszuschließen."Eine kleinere Schwäche käme nicht unerwartet", sagt Hanker.Dieses Niveau sollten Anleger zum Kauf nutzen, so der Tip der Volksbank.Auch Analyst Volker Bien von der BHF-Bank ist mittelfristig zuversichtlich, warnt aber vor kurzfristigen Korrekturen.Einen grundsätzlichen Trendwechsel kann er nicht erkennen. "Der deutsche Aktienmarkt sollte längerfristig aufgrund anhaltend günstiger Ertragsentwicklung und der niedrigen Zinsen noch Kurspotential aufweisen", meinen auch die Analysten der Bankgesellschaft Berlin.Der Markt zeige zwar "sichtbare, jedoch nur maßvolle Spuren einer Übertreibung".Für eine Fortsetzung der Hausse würden aber die unüblich hohen Umsätze sprechen, schreibt die Bankgesellschaft.Kleinere Kurskorrekturen sollten zu Käufen genutzt werden.Dabei empfiehlt die Bankgesellschaft insbesondere Industrieaktien.Diese würden von der weiter günstigen Exportkonjunktur und der anziehenden Inlandsnachfrage profitieren.Kursgewinne werden dabei vor allem dem Reifenhersteller Continental und dem Maschinenbauer Dürr zugetraut.Beide Aktien seien von der guten Autokonjunktur begünstigt."Verkaufen und Gewinne mitnehmen" heißt dagegen der Rat für Aktionäre des Pharmaunternehmens Merck. Wie robust die Verfassung des deutschen Aktienmarktes derzeit ist, hat sich einmal mehr in der vergangenen Woche erwiesen.Von einem leichten Rückschlag am Mittwoch vor Ostern hat sich der Dax schnell wieder erholt.Am Donnerstag ging das Börsenbarometer mit 5317 Zählern in das lange Osterwochenende.An diesem Mittwoch steht die Bilanzpräsentation des Düsseldorfer Mannesmann-Konzerns an.Gute Prognosen, insbesondere für das zukunftsträchtige Mobilfunkgeschäft, könnten für die Aktie sprechen.Bereits in den letzten Wochen war Mannesmann mit deutlichen Kurssteigerungen zum Liebling der Börsianer avanciert.Ansonsten wird mit einer Fortsetzung der österlichen Ruhe gerechnet. Angesichts immer weiter steigender Kurse werden den Risiken kaum noch Beachtung geschenkt.Die anstehende Bundestagswahl in Deutschland oder die weiter schwelende Asienkrise werden von den Börsianern ignoriert.Auch der Ende vergangener Woche schwächelnde Dollar beunruhigte nur Wenige.Dabei könnte Gefahr aus den USA drohen, warnt BHF-Analyst Bien.Die Aktien an der Wall-Street in New York - der Down-Jones-Index erreichte zuletzt die magische Marke von 9000 Punkten - würden eine "überreizte Bewertungsrelation" aufweisen.Der Analyst meint zur Situation in den USA: "Der Ballsaal tanzt.Wir würden einen Platz nahe der Tür bevorzugen."

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