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Bericht über Sanierungspläne : Air Berlin könnte aufgespalten werden

Air Berlin muss saniert werden. Spekuliert wird über eine Zweiteilung - in eine Sparte für touristische Ziele und eine für Linienflüge

Aufteilung. Wird Air Berlin zerschlagen?
Aufteilung. Wird Air Berlin zerschlagen?Foto: dpa

Bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin gibt es nach „Focus“-Informationen Pläne für eine Aufteilung des Geschäfts. Demnach könnte eine Sparte für klassische Linienflüge und eine für touristische Ziele entstehen. Senior Vice President Detlef Altmann habe vor Reisefachleuten erklärt, diese Möglichkeit werde geprüft, schreibt das Magazin weiter. Air Berlin äußerte sich dazu zunächst nicht und erklärte lediglich, dass derzeit an der angekündigten Neustrukturierung gearbeitet werde. Über das Ergebnis werde zu gegebener Zeit informiert. Vorher werde man keinerlei Spekulationen kommentieren. Die Air-Berlin-Aktie kletterte am Montag in einem freundlichen Markt um mehr als drei Prozent.

Etihad sichert sich weiteren Einfluss

Die arabische Fluglinie Etihad, Haupteigner von Air Berlin, sichert sich derweil größeren Einfluss. Etihad habe den ersten Teil von Wandelanleihen im Volumen von insgesamt 300 Millionen Euro erworben, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Montag mit. Zwei weitere Tranchen über jeweils 100 Millionen Euro werden aus heutiger Sicht Ende August und im November folgen. Etihad hält derzeit 29,2 Prozent der Aktien des Lufthansa-Rivalen und hat die Konstruktion für die vor einem Monat angekündigte Finanzspritze aus zwei Gründen gewählt.
Zum einen laufen die Wandelanleihen ewig und können den Bilanzierungsregeln zufolge dem Eigenkapital zugeschlagen werden. Für Air Berlin ein wichtiger Punkt: Ende März lastete ein negatives Eigenkapital von 400 Millionen Euro auf der Airline.

Arabische Fluggesellschaft muss rechtlich Hürde beachten

Zudem kann die Gesellschaft mit Sitz im ölreichen Golf-Emirat Abu Dhabi damit erneut Geld nach Berlin überweisen, ohne den Anteil zu erhöhen. Der Kniff: Etihad will die Anleihe gar nicht in Aktien tauschen - und da die Schuldverschreibung keine Laufzeit hat, muss die Fluglinie dies auch nicht. Ansonsten sähe es ganz anders aus: Im Falle der Wandlung würde der Anteil von Etihad auf knapp 90 Prozent springen. “Etihad hat erklärt, ihr Wandlungsrecht nur auszuüben, um eine Verwässerung ihrer gegenwärtigen Beteiligung zu verhindern oder falls sich die EU-Regeln für ausländische Beteiligungen an europäischen Luftfahrtgesellschaften ändern würden“, erklärte Air Berlin.
Die arabische Fluglinie muss bei Air Berlin wegen gesetzlicher Hürden vorsichtig vorgehen. Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, dürfen nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft erwerben, sonst gehen die Anflugrechte verloren. Die EU-Kommission hatte Anfang April angekündigt, ganz genau zu prüfen, ob Etihad über Gebühr Einfluss auf die Geschicke der Berliner nimmt.
Wegen eines übereilten Expansionskurses steht die mit ihrem “Mallorca-Shuttle“ bekanntgewordene Air Berlin mit 800 Millionen Euro in der Kreide und schrieb in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne. Ohne die neuen Wandelanleihen pumpte Etihad bereits eine halbe Milliarde Euro in die deutsche Fluglinie. Da die bisherigen Sanierungsanläufe nicht den erhofften Erfolg brachten, arbeitet die Air-Berlin-Spitze an einer Radikalkur.


Neues Geschäftsmodell angekündigt

Als Reaktion auf die Serie von Verlusten hatte Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer zuletzt ein neues Geschäftsmodell angekündigt. Details nannte der Manager Mitte Mai jedoch nicht. Schon Ende April bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2013 hatte Prock-Schauer von einem neuen Konzept gesprochen. Das Unternehmen hatte bis dahin sein Geschäftsmodell stets verteidigt, das auf einer Kombination aus Billigflügen, dem Touristikgeschäft mit Reiseveranstaltern und Angeboten für Geschäftsreisende besteht.
Im ersten Quartal 2014 erhöhte sich der Nettoverlust von 196 Millionen auf 210 Millionen Euro. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten drei Monaten des Jahres um 3,8 Prozent auf 762 Millionen Euro zurück. dpa/rtr


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