Bericht zur Arbeitszeit : Deutschland ist Europameister beim Urlaub

Deutsche und Dänen haben die meiste Freizeit in der EU. Rechnet man die Feiertage hinzu, haben die Deutschen 40 Tage im Jahr frei, der Rest der EU im Schnitt nur 35,9 Tage.

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Strandkörbe an der Ostsee - die deutschen können sich über zu wenig Urlaubstage nicht beschweren.
Strandkörbe an der Ostsee - die deutschen können sich über zu wenig Urlaubstage nicht beschweren.Foto: dpa

Berlin - Es ist noch nicht lange her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Zuge von Schuldenkrise und EU-Hilfszahlungen Griechen und Portugiesen riet, mehr zu arbeiten und weniger Urlaub zu machen. Nun zeigt eine Studie, dass die Deutschen in der EU mit Dänemark beim bezahlten Urlaub mit Abstand an der Spitze stehen: 30 Tage haben sie im Schnitt pro Jahr frei, wie aus dem Bericht zur Arbeitszeit der EU-Behörde Eurofound hervorgeht, der am Mittwoch in Dublin vorgestellt wurde. Der Schnitt der EU-Länder liegt dagegen bei nur 25,4 Urlaubstagen. Italien erreicht 28, alle anderen Länder liegen bei 25 und weniger Urlaubstagen. Zum Vergleich: Sowohl die von Merkel kritisierten Griechen mit 23 als auch die Portugiesen mit 22 Urlaubstagen haben deutlich weniger frei als die Deutschen. Schlusslichter unter den Mitgliedstaaten der EU sind Estland und Zypern mit 20 Urlaubstagen.

Rechnet man noch die Feiertage hinzu, haben die Deutschen 40 Tage im Jahr frei, der Rest der EU im Schnitt nur 35,9 Tage. Griechen und Portugiesen kommen jeweils auf 33 freie Tage.

Nicht nur haben die Deutschen den meisten Urlaub, auch bei der tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit liegen sie im unteren Drittel der EU-Länder. Während besonders in den neuen Mitgliedstaaten wie Bulgarien, Estland oder Rumänien 40 Stunden pro Woche gearbeitet wird, sind es in Deutschland nur 37,7 Wochenstunden und damit weniger als der EU-Schnitt von 38 Stunden. Griechenland (40) und Portugal (38,2) liegen beide darüber.

Allerdings gehört Deutschland auch zu den Ländern, in denen die meisten Überstunden gemacht werden. De facto kommen die Deutschen im Schnitt pro Woche auf 40,5 Stunden Arbeit – der EU-Schnitt liegt nur bei 39,7 Stunden. Die Finnen, die Iren und die Franzosen arbeiten der Statistik zufolge am wenigsten in Europa. Allerdings sagen die Zahlen zu Arbeitszeit und Urlaub nichts über die Produktivität der Arbeitnehmer in einer Volkswirtschaft oder über deren Wirtschaftsleistung aus. Das Wachstum lag in Deutschland 2010 deutlich über dem Schnitt der EU.

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