Wirtschaft : Berlikomm ist verkauft

Erwerber Versatel will in Berlin einen Marktanteil von zehn Prozent

Corinna Visser

Berlin - Die Berlikomm hat einen neuen Eigentümer: Der niederländische Telekommunikationskonzern Versatel kauft den Berliner Stadtnetzbetreiber für 34,6 Millionen Euro. Der Kaufvertrag wurde am Donnerstag unterschrieben. Bezahlen wird Versatel in eigenen Aktien.Versatel hat ehrgeizige Pläne in der Stadt: „100000 Kunden sind in den kommenden zwölf bis 18 Monaten erreichbar“, sagte Versatel-Deutschlandchef Andreas Heinze dem Tagesspiegel. Derzeit hat die Berlikomm 34000 Privat- und Geschäftskunden – ein minimaler Marktanteil bei 1,8 Millionen Haushalten in der Stadt. „Unser Ziel ist es, mittelfristig einen Marktanteil von zehn Prozent zu erreichen“, sagte Heinze.

Berlikomm war bisher eine Tochter der Berlinwasser Holding und hat dieser jahrelang Verluste beschert. 2003 lag das Minus noch bei 16,3 Millionen Euro. Seit Februar 2003 schreibt das Unternehmen aber beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schwarze Zahlen. Versatel erwartet, dass Berlikomm in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro umsetzt und ein Ebitda von sieben Millionen Euro erwirtschaftet.

Ein Käufer für die Berlikomm konnte nur deshalb gefunden werden, weil die Gesellschafter der Berlinwasser Holding – das Land Berlin (50,1 Prozent), RWE und Veolia (je 24,95 Prozent) – 150 Millionen Euro Schulden der Berlikomm übernehmen. Auch dass Berlinwasser den Kaufpreis in Aktien akzeptiert, ist ein Entgegenkommen für den Käufer. Berlinwasser will die Aktien umgehend verkaufen, hieß es aus Unternehmenskreisen, um den Schuldenabbau voranzubringen. Sollte der Erlös aus dem Aktienverkauf die 34,6 Millionen Euro unterschreiten, müsse Versatel Bargeld nachlegen, hieß es aus den Kreisen weiter.

Versatel mit Sitz in Amsterdam hat 1600 Mitarbeiter, ist in den Niederlanden, Benelux und Deutschland aktiv – zu ihr gehören regionale Telefongesellschaften in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Nach dem Kauf der Berlikomm wird Deutschland für Versatel der wichtigste Markt sein, auf dem 2004 rund 300 Millionen Euro umgesetzt werden sollen. Das Ziel: Versatel will hier die Nummer eins unter den alternativen Festnetzanbietern werden. Versatel schließt seine Telefon- und Internetkunden an das eigene Glasfasernetz an und kann daher Preise und Produkte weitgehend selbst gestalten.

Das Unternehmen will kräftig in Berlin investieren. Heinze nannte zwar keine Zahlen, aber nach Informationen des Tagesspiegels geht es um bis zu 30 Millionen Euro bis Ende 2005. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) begrüßte den Verkauf. „Bei einem Erwerber aus dem Telekommunikationsbereich ist die Berlikomm am besten aufgehoben“, sagte der Senator dem Tagesspiegel, nicht zuletzt weil Versatel „ordentlich investieren will“. Bis zum Schluss war hart um die Arbeitsplätze bei der Berlikomm gerungen worden. Rund 190 Mitarbeiter sind betroffen. 150 Arbeitsplätze hat Versatel bis Ende 2005 garantiert. Was den Senator auch freut: Versatel wird den Sitz seiner Deutschland-Holding nach Berlin verlagern.

Dem Geschäft muss noch der Aufsichtsrat zustimmen. Die Arbeitnehmerseite wird darauf achten, wie die Sicherung der Arbeitsplätze geregelt wird. „Da muss noch über Details verhandelt werden“, hieß es im Betriebsrat.

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