BERLIN, aber oho : Berliner Seilfabrik

Die Klettergerüste, die die Berliner Seilfabrik fertig, werden in alle Welt exportiert.

von
David Köhler
David KöhlerDoris Spiekermann-Klaas

Chef: David (34) und Karl (61) Köhler
Branche: Produktion
Mitarbeiter: 50
Gründungsjahr: 1865
Firmensitz: Reinickendorf

Etliche Seile hängen von der Werksdecke herab, ein Mitarbeiter verbindet sie flink mit kleeblattförmigen Metallösen zu einem dreidimensionalen Netz. Später wird das in ein Stahlgerüst gespannt – so entsteht ein dreidimensionales Klettergerüst für Kinder. Zwischen 800 bis 1000 dieser Spielgeräte fertigt die Berliner Seilfabrik im Jahr. Hatte das Unternehmen in den Anfangsjahren noch Seile für Personenfahrzeuge hergestellt, produziert es heute nur noch Seilspielgeräte. Entstanden ist die Idee Anfang der 70er Jahre. „Damals ist ein Architekt mit der Idee für die Klettergerüste auf uns zugekommen“, sagt David Köhler, der das Unternehmen zusammen mit seinem Vater führt. 75 Prozent der Klettergerüste, die in Reinickendorf teils in Handarbeit gefertigt werden, gehen ins Ausland: nach Australien, Chile oder in die USA. Selbst in Manhattan in der Nähe von Ground Zero steht ein Spielgerät aus Berlin. „Das ist schon ein cooles Gefühl, wenn man davor steht und weiß, das haben wir hergestellt“, sagt der Junior. Mittlerweile machen sie bewusst alles selbst. Statt wie andere Firmen immer mehr Aufgaben auszulagern, hat die Seilfabrik zum Beispiel eine eigene Metallbauwerkstatt aufgebaut, in der die Stahlgerüste für die Spielgeräte gefertigt werden. Auch die Seile entstehen in der hauseigenen Seilerei: Unter lautem Getöse flechtet eine Maschine kunststoffummantelte Garne um ein Stahlseil. Sie sind so stabil, dass sie bis zu vier Tonnen an Gewicht halten können. „Wenn wir alles selber machen, können wir flexibler auf Aufträge reagieren“, sagt Köhler. Und die Spielgeräte sind gefragt: 150 Aufträge, zeigt der Computer an, gilt es derzeit abzuarbeiten.


Berlin hat gut 160 000 kleine Unternehmen. Jeweils eines davon stellen wir montags bis freitags im Tagesspiegel vor.

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