Wirtschaft : Berlin als Schaufenster für Osteuropa

JCDecaux will mit der BVG-Werbetochter 700 Litfaßsäulen aufstellen

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Berlin - Der französische Konzern JCDecaux will in den kommenden fünf Jahren Berlin zum Werbeschaufenster für Osteuropa machen. „Hier sieht man die neuen Produkte zuerst, die dann in Prag und anderswo aufgestellt werden“, sagte Vorstandschef Jean-Francois Decaux am Dienstag in Berlin. Decaux hat von der BVG deren Werbetochter VVR Berek für 103 Millionen Euro übernommen. Der Zuschlag für den Franzosen hatte den im Vergabeverfahren unterlegenen Berliner Platzhirschen Hans Wall so empört, dass er den Umzug seiner Firma nach Hamburg in Betracht zog. Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. „Wir sind nach wie vor Marktführer und haben keine Angst vor Decaux“, sagte Wall dem Tagesspiegel. „Decaux ist nur in einem besser als wir: im Sprücheklopfen.“

Decaux jedenfalls will in den nächsten Jahren 22 Millionen Euro in Berlin investieren und hat bis 2014 die 83 Arbeitsplätze bei der VVR Berek garantiert. Ein Schwerpunkt der Investitionen seien 700 neue Werbesäulen, die von einem japanischen Designbüro entworfen würden. „Ernst Litfaß wäre stolz auf seine Enkel“, meinte Decaux. Dagegen wird für Wall „die Idee von Litfaß beerdigt“. Decaux wolle in den neuen Säulen Plakate beleuchten, dagegen würde die echte Litfaßsäule beklebt.

Der Franzose präsentierte seine Zukunftspläne in der Zentrale der BVG in Anwesenheit von BVG-Chef Andreas Sturmowski. Der betonte, für die Verkaufsentscheidung sei „das mit Abstand höchste Kaufangebot ausschlaggebend gewesen“. Der Preis war in dem Verfahren mit 70 Prozent gewichtet worden, Arbeitsplatzgarantie und Investitionen mit 30 Prozent. Auch was die Arbeitsplätze anbelangt, habe Decaux vor Wall gelegen. Mit dem Verkauf der Werbetochter und zuvor bereits des Wohnungsbestandes könne sich die BVG nun auf das Kerngeschäft Nahverkehr konzentrieren.

Sturmowski freute sich über den hohen Kaufpreis, der viermal so hoch sei wie der VVR-Berek-Umsatz und rund 20-mal so hoch wie der Gewinn. „Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben.“ Decaux will nun bis 2010 den Umsatz von zuletzt 27 Millionen Euro auf 60 Millionen Euro steigern, was nach Einschätzung Walls unmöglich ist. Mit dem enormen Kaufpreis habe Decaux zeigen wollen, „wie mächtig er ist“, sagte Wall und betonte, sich demnächst bei einer Ausschreibung in Hamburg erneut mit dem Franzosen messen zu wollen. alf

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