Wirtschaft : Berlin baut

Eine Studie zeigt: Der Markt für Wohnimmobilien legt stark zu. Auch Einzelhandelsflächen sind gefragt

Laura Gitschier

Berlin - Bei den Immobilienprojekten in Berlin läuft der Wohnsektor am besten. Das hat eine Studie des Beratungsunternehmens Bulwien Gesa in Zusammenarbeit mit dem Baukonzern Hochtief und der TLG Immobilien ergeben. „Der Wohnungsmarkt ist derzeit der Shootingstar“, sagte Andreas Schulten von Bulwien Gesa am Donnerstag in Berlin, „das hatte man vor vier bis fünf Jahren so noch nicht erwartet.“ Carsten Sellschopf von Hochtief hat die Erfahrung gemacht, dass krisenbedingt viele Investoren den stabilen Cash-Flow, den Wohnimmobilien bieten, zu schätzen wissen.

Wie die Studie zeigt, sind die Immobilienmärkte in Berlin und Potsdam insgesamt vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. Neben den Wohnungen konnte auch der Bereich Einzelhandel zulegen, dagegen mussten der Hotel- und Bürosektor leichte Rückgänge verzeichnen. Das Investitionsvolumen aller Projektentwicklungen liegt im Zeitraum von 2007 bis 2014 bei knapp 16 Milliarden Euro – eine Milliarde mehr als im Vorjahreszeitraum 2006 bis 2013. Auch die reine Flächenzahl konnte zulegen – um sieben Prozent auf 5,3 Millionen Quadratmeter.

Überdurchschnittlich schneidet dabei der Wohnsektor ab, mit einem Flächenwachstum von neun Prozent auf knapp zwei Millionen Quadratmeter ist er Spitzenreiter. Besonders gefragt sind dabei Wohnungen in der mittleren Preisklasse. Das zeigt sich auch an den Preisen. Die Durchschnittsmiete lag hier im vergangenen Jahr bei 7,90 Euro pro Quadratmeter, das ist ein Anstieg von 1,3 Prozent gegenüber 2008.

Eine stabile Nachfrage gibt es weiterhin bei hochwertigen Mietwohnungen. In diesem Bereich liegen die Mieten bei bis zu 13,10 Euro pro Quadratmeter. Allgemein gebe es einen großen „Drang in Richtung Innenstadt“, berichtet Andreas Schulten von Bulwien Gesa.

Eine mögliche Wohnungsnot in Berlin sieht Jörg Lammersen, Leiter der Berlin-Brandenburgischen Niederlassung der TLG Immobilien, aber nicht. Auch drastische Mieterhöhungen für den gesamten Wohnungsmarkt seien wohl nicht zu erwarten, glaubt der Experte.

Einen leichten Rückgang verzeichnet dagegen das Hotelsegment. Hier sieht die nahe Zukunft düster aus. Die Experten erwarten einen Einbruch für das kommende Jahr – Nachhall der Krise, in der viele Investoren ihre Tätigkeiten zurückgeschraubt hatten. Trotzdem rechnet die Projektgruppe für die kommenden Jahre auch hier mit einer Erholung. Viele designorientierte Hotels für junge Menschen seien in Planung, ebenso Hotels im Zwei- bis Drei-Sterne-Bereich.

Auch zu aktuellen Berliner Projekten nimmt die Studie Stellung: Die geplante Eröffnung des neuen Berliner Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) im Jahr 2012 werde dem gewerblichen Industrie- und Logistiksegment „neue Impulse verleihen“, auch die Hotelbranche werde profitieren. „Mit der Fertigstellung des Hauptstadtflughafens BBI wird die Zahl der Urlaubsgäste und Geschäftsreisenden in Berlin weiter steigen“, glaubt Jörg Lammersen von der TLG Immobilien. Großes Potenzial sieht Bulwien-Gesa-Vorstand Andreas Schulten auch beim Gelände um den ehemaligen Flughafen Tempelhof, an dessen Rändern Wohnungen entstehen sollen. Auch das Gebiet um den Flughafen Tegel berge Entwicklungspotenzial – vor allem für die Ansiedlung von Zukunftstechnologien.

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