Wirtschaft : Berlin bekommt neue Computermesse

Zum Linuxtag Ende Mai werden 10 000 Besucher erwartet / Die regionale Wirtschaft soll profitieren

Kurt Sagatz

Berlin- Im Wettbewerb der Messestandorte hat sich Berlin ein weiteres Mal gegenüber anderen nationalen Wettbewerbern durchgesetzt: Der nächste Linuxtag findet vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2007 in Berlin statt. Nach langer Wanderschaft von Kaiserslautern über Karlsruhe, Stuttgart und Wiesbaden kommt damit das älteste und zugleich bedeutendste deutsche Linuxtreffen mit zuletzt 9000 Besuchern in den Messehallen unter dem Funkturm an. Neben Berlin galt München als aussichtsreicher Kandidat für die Kongressmesse, wie der Vorsitzende des Linuxtag e. V., Oliver Zendel, dem Tagesspiegel sagte. Am 30. und 31. Mai findet parallel die Messe IT-Profits statt.

Der Unterschied von Linux und anderer freier Software zu Programmen beispielsweise von Microsoft besteht unter anderem darin, dass die Hersteller dieser so genannten Open-Source-Software den Quellcode der Programme veröffentlichen. Andere Entwickler können so Anpassungen vornehmen. Zudem können die Nutzer Fehler in der Software entdecken und entfernen.

„Das Konzept der Messe Berlin erlaubt es uns, langfristig am neuen Standort zu bleiben“, sagte Linuxtag-Vorsitzender Zendel. Noch fehlt aber die Unterschrift unter dem Vertrag zwischen dem Linuxtag-Verein und der Berliner Messe. Bei der Messe ist man zuversichtlich, dass dieser Schritt unmittelbar bevorsteht. Raimund Hosch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe, sagte dem Tagesspiegel: „Wir freuen uns, dass dieser wichtige Business-Treff für freie Software in diesem Jahr auf unserem Gelände stattfindet. Freie Software spielt für Wirtschaft und Politik eine immer größere Rolle.“

Die Senatswirtschaftsverwaltung sieht positive Effekte für Wirtschaft und Wissenschaft: „Die Universitäten und Fachhochschulen der Stadt bilden eine starke und innovative Open-Source-Community“, sagte Ingrid Walther, Referatsleiterin Medien, Informations- und Kommunikationswirtschaft, und ergänzte: „Ich erhoffe mir durch die Veranstaltung neue Ideen und Impulse für Wirtschaft,Wissenschaft wie auch für die Verwaltung.“

„Linux-Business ist lokales Business“, unterstreicht Ortwin Wohlrab, Vorstandsvorsitzender des IT-Branchenverbandes SIBB. Linuxtag und SIBB sind sich darüber einig, dass beide Seiten von der Veranstaltung profitieren können. Linux-Firmen wie Novell-Suse, Redhat, IBM und HP sowie Linuxprojekte wie KDE, Debian und Wine können sich in Berlin den Firmen und Behörden präsentieren. Der Berliner und Brandenburger IT-Wirtschaft bietet sich die Chance, von den regional zu erbringenden Servicedienstleistungen zu profitieren. Die regionale IT-Wirtschaft beschäftigt rund 38 000 Mitarbeiter in 3700 Unternehmen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 5,6 Milliarden Euro. Sie zählt damit laut SIBB zu einer der Wachstumsbranchen der Region.

Das macht Berlin auch für die Linux-Gemeinde interessant. „Für die Community ist Berlin eine sehr attraktive Adresse. Der Linuxverband Live begrüßt, dass der Linuxtag aus der Provinz in die Hauptstadt gezogen ist. Wir glauben, dass Linux und Open-Source-Software dadurch seine Wahrnehmung und Sichtbarkeit weiter verbessern wird“, sagte Elmar Geese von Live. Unter dem Motto „Where.com meets .org“ soll sich der Linuxtag in Berlin nach dem Willen der Veranstalter aus den drei Säulen Messe, Kongress und Community-Treffen der Linux-Szene zusammensetzen. Im letzten Jahr zogen dabei 100 Aussteller und 250 Konferenzveranstaltungen an die 9000 Interessenten an. Im ersten Jahr des Linuxtages in Berlin geht es nach Einschätzung von Zendel darum, ebenfalls zwischen 9000 und 10 000 Besucher anzusprechen. Mittelfristig sei es Ziel, diese Zahlen zu verdoppeln. Dabei könne besonders die internationalere Ausstrahlung Berlins helfen, sagte Zendel.

Aber auch die öffentliche Hand gilt als interessanter Adressat, zumal Berlin zugleich Kommune, Land und Sitz der Bundesregierung ist. So setzen beispielsweise das Auswärtige Amt und der Deutsche Bundestag entsprechende Lösungen ein. Auf Servern der Berliner Verwaltung arbeiten rund 40 Prozent linuxbasierte Betriebssysteme, auf Arbeitsplätzen rund 9000 Open-Office-Installationen.

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