Wirtschaft : Berlin-Brandenburg immer attraktiver für Manager

JÜRGEN BELOW

Die Management-Positionen mit einem Jahreseinkommen von einer halben Million DM und mehr waren vor zehn Jahren in Berlin noch leicht zählbar - heute sind es mehrere hundert.Dies ist nur der eine, wenn auch wichtige Indikator für die gestiegene Attraktivität der Region Berlin/Brandenburg für Führungskräfte.Gleichermaßen wichtig sind die Management-Aufgaben und die Karriereaussichten.Und hier hat unsere Region wirklich einiges zu bieten.Zuallererst sieht man natürlich die Firmenzentralen, die nach Berlin/Brandenburg verlagert wurden - Debis, Sony, BMW Rolls Royce, Coca-Cola, Deutsche Bahn, Synthelabo, Adtranz - um nur einige zu nennen.Flankiert wird diese Entwicklung von der Ansiedlung von Vorstandsbereichen und Konzernrepräsentanzen wie zum Beispiel der Vertrieb Deutschland von Mercedes (immerhin mit einer Umsatzverantwortung von 35 Mrd.DM), der Vorstandsbereich Schienenfahrzeuge von Siemens, die VW-Konzernrepräsentanz im Lindenkorso, die Dresdner Bank am Pariser Platz, die Unternehmsführung von KPMG in der Taubenstraße und viele andere mehr.Die Aufgaben des Managements bestehen im Aufbau, der Etablierung und der sauberen strategischen Ausrichtung der Aktivitäten in Berlin/Brandenburg - Aufgabenstellungen im Fokus der Aufmerksamkeit mit guten Aufstiegschancen bei Bewährung.

Es sind natürlich auch bestimmte Branchen, die zur Zeit die Dynamik in Berlin/Brandenburg bestimmen.Da sind zunächst die Dienstleister, die für Bewegung sorgen.Mit den großen Multi-Dienstleistern - Dussmann in Zeuthen, Gegenbauer in Birkenwerder und Piepenbrock in Berlin - sind die Schwergewichte der Branche mit ihren Firmenzentralen und dem Troß an Managern für das Operative in der Region vertreten.

Die Bahntöchter dvm als Konzernholding für die Bahn-Reinigungs- und Bahn-Sicherheits-Gesellschaften und Mitropa als der große Caterer runden das Bild ab.Eine Vielzahl von innovativen Facility-Management-Gesellschaften, die die neuen großen Büro- und Kommerztempel in und um Berlin zielgruppengerecht vermarkten und in Schuß halten, sind hier aktiv.Call-Center-Manager sind händeringend gesucht, denn Berlin/Brandenburg bietet für diese neue Dienstleistung beste Marktvoraussetzungen.Auch die Hotellerie ist im Aufwind und die Konzerne schicken ihre besten Manager wie einen Jan van Dahlen für das Adlon nach Berlin.Der neue Großflughafen in Schönefeld mit fünfzig- bis siebzigtausend Arbeitsplätzen in 2010 wirft schon heute seine Schatten voraus.

Die Fernseh- und Filmwirtschaft ist ein weiteres Highlight für Berlin.SAT 1 hat seit einem Jahr die Firmenzentrale in Berlin, andere Private werden folgen.Für die öffentlich-Rechtlichen ist das Hauptstadt-Büro ein Muß.Babelsberg und Adlershof sind die Kristallisationspunkte für die Filmwirtschaft und ziehen eine Vielzahl von Produktionsfirmen, jüngst die Holzbrinck-Tochter AVE, aus München kommend, nach Berlin.Für den Headhunter in der Medienwirtschaft ist schon heute die "030" die am häufigsten gebrauchte Rufnummer.

Der eigentliche "Hit" in Berlin sind nicht die großen, etablierten "Konzern-Pötte" - die werden größtenteils in ihren westdeutschen "Häfen" verbleiben.Kleine, innovative High-Tech-, Software-, Multimedia- und Biotechnologie-Firmen werden die Zukunft von Berlin/Brandenburg maßgeblich bestimmen.Aus einigen ehemals kleinen Pflänzchen sind schon heute ansehnliche Unternehmen gewachsen, die auch bei den Nachrichten vom Neuen Markt Beachtung finden.Teles AG, Lobster AG, Beta-Systems AG, PSI AG, aber auch AVM, Pixelpark und viele andere mehr bestimmen diese Szene.

Besonders die Unternehmen, die den Weg zum Kapitalmarkt gefunden haben oder suchen, brauchen ein professionelles Management.Gerade hier sind die Anforderungen der Analysten gnadenlos.Meist werden Manager gesucht, die zum einen über profundes vertriebliches Know-How verfügen, um national und international die professionelle Bearbeitung der Märkte sicherzustellen.Zum anderen ist ein erfahrener Finanzmanager gefragt, der die komplizierten Kapitalmarkt-Prozesse durchschaut, die Analysten der Investmentbanken versteht und der in der Tagesarbeit die Anforderungen managen kann, die die Shareholder erwarten.Hoch im Kurs stehen die Spezialisten, die bereits ein "Going Public" erfolgreich vollzogen haben.

Und was macht eigentlich die produzierende Industrie in Berlin/Brandenburg? Dieser Sektor ist vom Strukturwandel in unserer Region am stärksten betroffen.Die ehemals von der Berlin-Präferenz gehätschelten Industriezweige, die in Berlin Kakao gemahlen, Softdrinks abgefüllt, Haarshampoo angerührt, Kaffee geröstet, Zigaretten gedreht oder die berühmte letzte Schraube angezogen haben, sind fast vollständig verschwunden (Ausnahme Philip Morris) - ein Aderlaß von vielen tausend einfachen Industriearbeitsplätzen und einigen wenigen Managementfunktionen.Etablierte Berliner Industrieunternehmen wie zum Beispiel AEG, Elpro, KWO, ABB, Bosse, Fritz Werner und J2T sind ganz oder fast ganz vom Markt verschwunden.Mit Firmen wie Siemens, Schering, DaimlerChrysler Marienfelde, Osram, DeTeWe, Herlitz, BMW Motorradwerk, Otis, Schindler, Philip Morris, Krone, Gillette, Schultheiss, Kindl, Eternit, Auer und vielen mehr hat Berlin immer noch eine gute Industriebasis.

Auch in Brandenburg im Berliner "Speckgürtel" gibt es mit Adtranz Hennigsdorf, Frankotyp in Birkenwerder, Bosch-Siemens Hausgeräte in Nauen, BMW Rolls Royce in Dahlewitz und Daimler-Chrysler in Ludwigsfelde, um die größten zu nennen, gute Industrieunternehmen mit kompletten Wertschöpfungsketten.Besonders BMW und DaimlerChrysler zeigen in Berlin Flagge: in Dahlewitz konzentriert BMW die gesamte Triebwerksfertigung, Ludwigsfelde darf den neuen Stadttransporter von DaimlerChrysler bauen und erweitert dafür in erheblichem Umfang die Produktionsfacilitäten.Ein starkes Management wird dafür sorgen, daß die Standorte weiter ausgebaut werden.

Zu guter letzt: Was bewirkt der Umzug von Regierung und Verbänden an die Spree? Gut verdienende Beamte und Lobbyisten bringen Kaufkraft in die Region.Die Immobilienwirtschaft und der Handel erfahren Impulse.Die Berliner Banken verstärken ihre Nachfrage am Arbeitsmarkt nach erstklassigen Vermögensberatern und Anlagemanagern.Die Wirtschaftsentwicklung in Berlin/Brandenburg bietet Managern gute Einkommensmöglichkeiten, Aufgabenstellungen, Karriereaussichten und Lebensqualität - also die wichtigsten Voraussetzungen, um qualifizierte, leistungsstarke Führungskräfte anzusprechen.

Jürgen Below ist Geschäftsführer und Partner von Kienbaum Berlin GmbH - Executive Consultants und seit 15 Jahren in der Führungskräfterekrutierung in Berlin tätig.

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