Berlin : Familienunterhaltung bringt Geld

Die Berlin Atlantic Gruppe produziert große Dokumentarfilme fürs Kino. Nach der preisgekrönten Naturdokumentation "Unsere Erde" geht es demnächst nach Sibirien. Ausgerechnet: zehn Millionen Quadratkilometer, heiße Sommer, bitterkalte Winter. Lohnen sich solch aufwendige Produktionen?

Katja Reimann
"Unsere Erde - Der Film"
Spektakuläre Natur. "Unsere Erde" soll 100 Millionen Dollar einspielen. -Foto: promo

BerlinSibirien hat Nikolaus Weil fest im Blick. Denn dort, in der Weite der Steppe, soll das neueste Projekt des Berliners bald Gestalt annehmen: ein Dokumentarfilm über den großen, dünn besiedelten Teil Russlands, angelehnt an den Reisebericht eines Deutschen, der das Land vor über 100 Jahren erkundete. Ausgerechnet Sibirien. Fast zehn Millionen Quadratkilometer groß, heiße Sommer, bitterkalte Winter – kein idealer Ort für einen langen Dreh.

Doch mit großen und schwierigen Projekten kennt Weil sich aus. Sein Berliner Unternehmen Berlin Atlantic Capital (BAC), genauer: dessen Tochterfirma Greenlight Media, produzierte erst kürzlich die gigantische Kino-Naturdokumentation „Unsere Erde“ – fünf Jahre Produktionszeit, gefilmt von mehr als 40 Kamerateams an über 200 Drehorten in 26 Ländern mit einem Produktionsbudget von insgesamt 45 Millionen Dollar (rund 29 Millionen Euro). 3,5 Millionen Menschen haben die preisgekrönte Dokumentation mit den spektakulären Naturaufnahmen bereits gesehen. Gefilmt wurden die Haie, Elefanten, Eisbären und Vögel mit speziellen Kameras und aus der Luft.

Die BAC aus Mitte ist ein internationales Investment- und Emissionshaus, Nikolaus Weil (42) ist einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern. Sein Unternehmen „vermarktet und managt unternehmerisch aktiv ,alternative Investments’“. Alternativ sollen etwa Investitionen in US-Lebensversicherungen sein, für die das Unternehmen 500 Millionen Dollar von einer amerikanischen Großbank erhält. Ein weiteres Beispiel ist die Investition in Infrastrukturprojekte oder eben die Produktion spektakulärer Kinofilme, weswegen BAC weltweit Geldgeber sucht. Dass gerade auch Filmproduktion ein „hochlohnender Investitionsbereich“ ist, davon ist Weil fest überzeugt.

Schon 1993 gründete er gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Beiten die „Greenlight Media AG“. Damals begannen die beiden, Filme zu produzieren. Ihr erstes Projekt war die – noch immer erfolgreiche – Zeichentrickserie „SimsalaGrimm“, welche alte Märchen der Brüder Grimm neu erzählt und die sich in mehr als 100 Länder verkaufte.

Im Jahr 1998 gründeten sie die Berlin Atlantic Gruppe in Berlin, Greenlight Media wurde als Tochterunternehmen integriert. Seitdem hat die Berlin Atlantic Gruppe bereits 70 Kapitalmarkttransaktionen abgewickelt, insgesamt 40 000 Anleger betreut und über 1,4 Milliarden Euro generiert. Rund 108 Millionen Euro an Eigenkapital sammelte die BAC im vergangenen Jahr ein. Der Gewinn betrug 1,2 Millionen Euro.

Berlin sei eigentlich kein typischer Finanzstandort, sagt Nikolaus Weil. Trotzdem zog es die Unternehmer dorthin: „wegen der Mietpreise“. Auch, weil Berlin einen kreativen Ruf hat. Berlin löse bei den Menschen etwas aus, meint auch Weils Kollege Franz-Philippe Przybyl (35), Vorstandsvorsitzender der BAC. Inzwischen arbeiten 120 Mitarbeiter für die BAC, auch im amerikanischen Atlanta gibt es seit 2006 eine Tochtergesellschaft.

Einen großen Natur-Dokumentarfilm fürs Kino zu produzieren, das erschien Nikolaus Weil erfolgversprechend. Durch die Produktion von „SimsalaGrimm“ wusste er: „Familienunterhaltung ist lohnenswert.“ Dank ihrer guten Kontakte im Mediengeschäft gelang es Greenlight Media/BAC, den britischen Fernsehsender BBC als Kooperationspartner zu gewinnen. Mit BBC Worldwide wurde ein Vertrag über fünf Großproduktionen geschlossen, BAC kümmert sich um die jeweilige Finanzierung.

Die BBC sei dabei für Investoren ein Garant gewesen, sagt Weil. „Die Refinanzierung für ‚Unsere Erde’ war bereits gesichert, bevor gedreht wurde.“ Außerdem hatten Greenlight Media und der britische Sender 2003 schon für den Dokumentarfilm „Deep Blue“ über das Leben in den Weltmeeren erfolgreich zusammengearbeitet. 76 Millionen Dollar spielte der Film bislang an den Kinokassen ein. „Unsere Erde“ soll allein an den Kinokassen weltweit 100 Millionen Dollar reinholen. Die Chancen dafür stehen gut, denn im April kommenden Jahres startet der Film in den USA. Dort kam Greenlight Media jüngst sogar mit dem Unterhaltungskonzern Walt Disney ins Geschäft. 

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