Wirtschaft : Berlin fühlt den Aufschwung

Konjunkturbericht der Kammern konstatiert „kräftige Aufhellung“ – Volkswirte sehen keine Trendwende

Moritz Döbler

Berlin - Die Unternehmen der Hauptstadt sehen positiver in die Zukunft. „Die Berliner Wirtschaft hat sich konjunkturell wieder spürbar erholt“, heißt es im neuen Konjunkturbericht von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer, der am Donnerstag veröffentlicht wird und dem Tagesspiegel vorliegt. Von einer „kräftigen Aufhellung“ des Geschäftsklimas ist darin die Rede. Dafür seien vor allem der Dienstleistungssektor, das Gastgewerbe und mit Abstrichen auch die Industrie verantwortlich.

Dennoch dürfte diese leicht gestiegene Zuversicht sich nicht positiv am Arbeitsmarkt niederschlagen. Im Gegenteil: 24 Prozent der Unternehmen rechnen damit, Beschäftigung abbauen zu müssen, nur 19 Prozent fassen eine Aufstockung ins Auge. Immerhin ist der Saldo nicht ganz so negativ wie ein Jahr zuvor. Die Berliner Unternehmen könnten nicht leisten, was die Politik in der Arbeitsmarktpolitik versäume, heißt es in dem Bericht.

Es fehlt weiter an Wachstum. Volkswirte sind nicht davon überzeugt, dass deutlich mehr als null Prozent in diesem Jahr möglich sind. Dieter Vesper vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigte sich eher pessimistisch. „Auch wenn sich die Stimmung etwas aufgehellt hat, befindet sich Berlin weiterhin am Ende der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, im unteren Drittel. Ein mittlerer Platz ist auf längere Sicht unrealistisch“, sagte Vesper dem Tagesspiegel.

Zum einem mangele es an Industrie, wie sie etwa Leipzig mit dem BMW-Werk oder im Umfeld des Flughafens aufgebaut habe. Hinzu komme: „Die Berliner Wirtschaft ist nicht so exportorientiert. Deswegen hat die Stadt nach wie vor ein Handicap.“ Ferner sei der Umstand, dass der öffentliche Dienst Berlins größter Arbeitgeber sei und bei den Personalkosten sparen müsse, schädlich für die Binnennachfrage. „Es fehlt einfach an Kaufkraft“, sagte Vesper. Weder die Dienstleistungen noch der Tourismus hätten dies bisher wettmachen können.

Der IHK-Bericht hebt die gewachsene Exportorientierung denn auch positiv hervor. „Immerhin berichtet fast jeder zweite Betrieb von gestiegenen Aufträgen aus dem Ausland,“ heißt es. Insgesamt schätzen 32 Prozent der befragten Unternehmer ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs bis zwölf Monate als günstiger ein, nurmehr 20 Prozent als ungünstiger. Nach einem Einbruch bei der Frühjahrsumfrage ist die Stimmung damit wie ein Jahr zuvor wieder eher positiv. „Auch hier kommt der Erwartungsschub hauptsächlich von den Dienstleistern, die ebenso wie die Industrieunternehmen weiterhin von einer steigenden Auslandsnachfrage profitieren wollen.“ Neben der Industrie entwickle sich der Dienstleistungsbereich zu einem „zweiten Konjunkturmotor“, heißt es in dem Papier. Genannt werden Datenverarbeitung, Beratung, Werbung, Architektur, Kultur, Sport und Unterhaltung.

Im Gastgewerbe ist der Optimismus sogar größer als ein Jahr zuvor, und dabei richtet sich der Blick noch nicht einmal auf die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer. „Für die bevorstehende Wintersaison bleibt die Branche voller Optimismus“, heißt es in dem Bericht. Auch mit Geschäftsreisenden werde in der Hauptstadt offenbar wieder mehr Geld verdient.

Pessimistisch sind dagegen nach wie vor das Handwerk und die Baubranche. „Im Handel ist durchaus eine Erholungstendenz bei den Geschäftserwartungen festzustellen, aber immer noch überwiegen leicht die pessimistischen Stimmen“, heißt es.

Große Sprünge haben die Unternehmen nicht vor. „Die investitionsbereiten Firmen halten sich die Waage mit denjenigen, die in den kommenden Monaten weniger Finanzmittel in Investitionen stecken wollen.“ Nur gut jedes fünfte Unternehmen erwartet, mehr Geld zu investieren als bisher. Und das Geld fließt an erster Stelle in Ersatz und erst an zweiter Stelle in Investitionen für neue Produkte.

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