Wirtschaft : "Berlin-Future": Berliner Manager sind optimistisch

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Berlin holt auf. Die Unternehmer in der Bundeshauptstadt sind mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Berlin und den zu erwartenden Geschäftsabschlüssen in den kommenden Monaten überwiegend zufrieden. Das ergab die Frühjahrs-Befragung von Repräsentanten der Berliner Wirtschaft "Berlin-Future", die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW im Auftrag des Tagesspiegel durchgeführt hat. Herausragende Ursache für den Optimismus der Manager, die sowohl in produktiven Bereichen als auch in der Dienstleistungsbranche tätig sind, ist die positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland, die auch in der Hauptstadt Wirkung zeige. Auch die Nachfrage nach deutschen Produkten im Ausland - unterstützt durch den Wechselkurs des Euro zum Dollar - findet offenbar ihren Niederschlag in den Geschäftserfolgen und -erwartungen der Unternehmer. Weit überwiegend, so gaben die Unternehmer an, hält das Interesse im Ausland an Berliner Leistungen auch in diesem Frühjahr an.

Mehr und mehr spüren vor allem die Manager, die im Dienstleistungsbereich tätig sind, zudem die positiven Wirkungen der Hauptstadt- und Metropolenfunktion Berlins. Die Bundesregierung übt offenbar eine nachhaltigere Sogwirkung auf Lobbyisten und Unternehmer aus, die Leistungen in Berlin nachfragen. Gut ist das wohl auch für solche Unternehmer, die im erweiterten Tourismusbereich tätig sind und vom Zustrom der Besucher profitieren.

Gute Stimmung bei High-tech-Firmen

Besonders gut scheint die Stimmung in den hauptstädtischen High-tech-Branchen zu sein. Obwohl der Börsenhype vorbei ist und die einst wachstumsverwöhnten Unternehmen - von der Biotechnologie bis zum Medien- und Internetbereich - auch in Berlin wieder an Bodenhaftung gewonnen haben, registrieren die Wissenschaftler des DIW kaum Zeichen des Pessimismus: Weit überwiegend verweisen die befragten Manager darauf, dass Unternehmer sowohl der IT- als auch der Biotechnologie- und Medienbranche Standorte in Berlin suchen und von hier aus neue Märkte generieren.

"Dennoch", sagte Berlins Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner anlässlich der Präsentation der Befragungsergebnisse unter Leitung des Tagesspiegel-Herausgebers Heik Afheldt am Mittwochabend, "auch die Berliner Wirtschaft spaltet sich konjunkturell auf". Während Bau- und baunahe Branchen sowie traditionelle Branchen über Auftragsmangel und trübe Zukunftsaussichten klagen, beherbergt Berlin Unternehmer, die das Wort "Boom" nicht scheuen.

Obwohl Berlin für Menschen aus dem In- und Ausland interessanter ist als noch vor Jahren, so wurde am Mittwochabend doch sehr rasch klar, dass auch die Unternehmer in der Hauptstadt zunehmend an Erweiterungsgrenzen stoßen, weil ihnen das Fachpersonal fehlt. Nicht nur das klassische Dienstleistungsgewerbe, das, so der Gebäude-Reinigungsunternehmer Werner Gegenbauer, "dienstleistungsbereite Mitarbeiter sucht", hat dieses Problem. Auch im IT-Bereich, so Teles-Chef Sigram Schindler, registriere man "kanibalisierende Prozesse" auf der Jagd nach Fachpersonal.

"Eigene Kreativität"

Mögliche Auswege aus der Misere? Da die Regierung die Freizügigkeit von Arbeitskräften aus dem Beitrittsland Polen erst einmal unterbinden will, forderte Wolfgang Branoner "eigene Kreativität". Rasche und flexible Ausbildungswege im Hochschulbereich - "wir arbeiten dran", sagte er. Aus- und Weiterbildung als gemeinsames Projekt der Branchen - Mologen-Chef Burhardt Wittig kündigte "interessante Projekte" an.

Allen befragten Managern gemein ist offenbar die Unzufriedenheit mit der Haushaltspolitik des Landes Berlin. Hohe Zinslasten, Haushaltsstopp und Unsicherheit über Investitionsvolumina in der Zukunft: Mit großer Übereinstimmung kritisierten die vom DIW befragten Manager eine "schwerfällige Politik der großen Koalition in Berlin", die "Unentschlossenheit" bei der Realisierung von Großprojekten und die "fehlende Konzentration der Verwaltung" auf die Stärken der Wirtschaftsregion. Bei aller Einigkeit gehen die Auffassungen über Potenziale bei Strukturveränderungen allerdings auseinander. Während der im April aus dem Amt scheidende Schering-Chef Giuseppe Vita, Berlins Politiker ermahnte, am Kulturetat nicht zu sparen, weil "das ein Pfund der Metropole ist", mit dem es zu wuchern gelte, widersprach ihm Jungunternehmer Marc Wohlrabe (Zeitbank Verlag GmbH). Es sei das innovative Angebot der so genannten Off-Szene, das kreative Menschen in die Stadt ziehe. "An diesem Bereich der Kultur wird jedoch nur gespart, während die Opernetats nicht angefasst werden."

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