Wirtschaft : Berlin hilft Bayer

Nach der Übernahme von Schering treibt vor allem das Pharmageschäft den Gewinn. Die Pläne zum Jobabbau bleiben im Dunkeln

Maren Peters

Leverkusen - Aus Sicht des Bayer-Konzerns zahlt sich die milliardenschwere Übernahme von Schering bereits aus. Im dritten Quartal legten Umsatz und Gewinn des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns zweistellig zu, die Börse reagierte am Montag mit Aufschlägen. Es war das erste Quartal, in dem Schering in den Zahlen voll berücksichtigt wurde.

Vor allem in der Gesundheitssparte profitierte Bayer von gut laufenden Schering-Medikamenten wie dem Multiple- Sklerose-Mittel Betaferon oder den Verhütungspillen Yasmin und Yaz. Bei der Frage nach ihrer Zukunft müssen sich die Mitarbeiter des Schering-Konzerns allerdings weiter gedulden: Bayer-Chef Werner Wenning nannte am Montag keine weiteren Details zum angekündigten Abbau von 6000 Stellen. Er räumte aber ein, dass bereits „vereinzelt Mitarbeiter Schering verlassen“, wichtige Leistungsträger seien nicht dabei. Nach Einschätzung von Analysten bleibt die Schering-Integration aber ein Risiko.

Die knapp 17 Milliarden teure, überwiegend durch Kredite finanzierte Übernahme des Berliner Pharmakonzerns war die bisher größte in der 140-jährigen Bayer-Geschichte. Der Konzern, der nach der Rücknahme des Blutfettsenkers Lipobay vor fünf Jahren in eine schwere Krise geraten war, steigt damit – gemessen am Umsatz – zum größten deutschen Pharmaunternehmen auf und will international wieder in der Spitzengruppe mitmischen, zumindest bei Facharztprodukten.

Nach Angaben Wennings hält Bayer inzwischen 96,1 Prozent der Schering-Aktien und hat dafür bislang 16,2 Milliarden Euro bezahlt, im Schnitt 88,18 Euro je Aktie. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Bayer-Chef angekündigt, dass die restlichen Schering-Anteilseigner per Zwangsabfindung (Squeeze out) aus dem Unternehmen herausgedrängt werden sollen – das ist bei einer Mehrheit von mindestens 95 Prozent möglich. Die Integration von Schering sei auf gutem Weg, sagte Wenning. Wie der angekündigte Abbau von 6000 Stellen – das sind zehn Prozent der Jobs in der neuen Pharmasparte – erfolgen soll, werde derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen der einzelnen Länder beraten. Zum Zeitplan und zur Verteilung auf die einzelnen Standorte sagte er nichts, betonte aber: „Es gibt keine klaren Gewinner und Verlierer.“ Grundsätzlich gehe der Konzern an die Standorte, wo er die besten Voraussetzungen für künftigen Erfolg sehe. Die Analyse sei aber noch nicht abgeschlossen.

Im Schering-Betriebsrat hieß es dazu, die zeitliche Abfolge bleibe „nebulös“, der Wunsch nach verlässlichen Informationen sei groß. Entscheidungen seien voraussichtlich erst im ersten Quartal 2007 zu erwarten, sagte Vize-Betriebsratschef Yüksel Karaaslan dem Tagesspiegel.

Wichtigster Wachstumstreiber war im dritten Quartal die Pharmasparte. „Die erfolgreiche Akquisition von Schering hat unserem Geschäft zusätzlichen Schub gegeben“, sagte Wenning, der für das Gesamtjahr optimistisch ist. Der Umsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro, davon entfielen allein auf das Pharmageschäft 3,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich insgesamt um 22 Prozent auf 798 Millionen Euro. Sondereinflüsse in Höhe von 139 Millionen Euro – vor allem wegen der Integration von Schering – sind hier nicht berücksichtigt. Auch bei den Kunststoffen (Material Science) konnte Bayer den Umsatz zweistellig steigern.

Wegen der Kosten für die Schering-Übernahme sank der Überschuss um 35 Prozent auf 320 Millionen Euro. Die Börse schreckte das nicht. Der Kurs der Bayer-Aktie stieg bis zum Handelsschluss um gut zwei Prozent auf 39,79 Euro. „Die Zahlen sind überzeugend“, sagte Pharmaanalystin Silke Stegemann von der Landesbank Baden-Württemberg. „Sie zeigen, dass sich die Schering-Übernahme auszuzahlen beginnt.“

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