Wirtschaft : Berlin holt auf

Die Wirtschaft der Hauptstadt wächst überdurchschnittlich. Einstige Schwächen werden nun zu Stärken

Hannes Heine
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Berlin - Die Wirtschaft ist in Berlin 2008 stärker gewachsen als in den meisten anderen Bundesländern. Erstmals hat sie nun wieder das Volumen von 2000 erreicht (siehe Grafik). Zwar legte das Bruttoinlandsprodukt der Hauptstadt mit 1,6 Prozent weniger deutlich zu als noch im Jahr zuvor, damals waren es zwei Prozent. Doch die gesamtdeutsche Wirtschaft wuchs 2008 nur um 1,3 Prozent. Auch für dieses Jahr wird erwartet, dass Berlin weniger stark von der Krise getroffen wird als der Rest der Republik.

„Jetzt zeigt sich, dass die Unternehmen aus der Hauptstadt nach langen Jahren des Strukturwandels in der Breite wieder konkurrenzfähig sind“, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) am Freitag. Das sieht Hartmut Mertens, Chefvolkswirt der Investitionsbank Berlin (IBB) ähnlich: In der Krise machten sich Besonderheiten der Berliner Wirtschaftsstruktur, die sonst als Schwächen gelten, positiv bemerkbar, sagte Mertens dem Tagesspiegel. Die Hauptstadt verfüge etwa über nur wenig Autoindustrie, und die wurde von der Krise besonders schwer getroffen. Nur rund elf Prozent der Wertschöpfung in Berlin kommen aus der Industrie, im Bundesdurchschnitt sind es 23 Prozent. In Baden-Württemberg, einem der Zentren der deutschen Autoindustrie, wuchs die Wirtschaft 2008 deutlich geringer als im Rest der Republik. Das Bruttoinlandsprodukt legte nur um 0,7 Prozent zu. 2007 war Baden-Württemberg noch Spitzenreiter beim Wachstum.

Im Herbst 2008 brach die Konjunktur landesweit so stark ein wie seit 1987 nicht mehr. Berlin hatte aber schon zuvor sehr schwere Zeiten hinter sich, die Region werde von der Absatzflaute deshalb nicht so stark getroffen wie andere Gegenden, sagte Ökonom Mertens. „Wir kommen von einem niedrigen Niveau und haben eine erfreuliche Entwicklung gemacht.“ Einzig im Saarland, wo es ebenfalls kaum Autoindustrie gibt, ist das Bruttoinlandsprodukt mit 1,7 Prozent stärker gewachsen als in Berlin. Schlusslicht war Sachsen mit plus 0,6 Prozent.

Für 2009 befürchten Experten im Bundesdurchschnitt ein Minus von zwei bis drei Prozent – dies wäre die schwerste Rezession in der Geschichte Deutschlands. „Dieses Jahr wird auch für Berlin hart, aber nicht so hart wie für andere Bundesländer“, sagte Mertens. Die Krise werde sich hier vergleichsweise milde auswirken. Wirtschaftssenator Wolf erwartet ein „schweres Jahr“ und erklärte, wenn Deutschland „ins Minus rutscht, wird sich Berlin dieser Entwicklung nicht entziehen können“. Wegen der „vielschichtigen Unternehmenslandschaft“ aber könnte die Hauptstadt nicht ganz so stark getroffen werden wie andere Teile des Landes. Junge Technologieunternehmen und die Gesundheitsbranche dürften sich in der Krise als stabil erweisen.

Zwischen 2000 und 2004 war die Wirtschaftsleistung Berlins stark gesunken. Erst seit 2005 wächst sie wieder. Der Wirtschaftsfördergesellschaft „Berlin Partner“ zufolge haben sich hier 2008 trotz beginnender Wirtschaftskrise mehr Unternehmen angesiedelt als in den vergangenen zehn Jahren. Gerade „innovationsgetriebene Branchen“ wie die Solarindustrie und die Biotechnologie würden Berlin als Standort zu schätzen wissen.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) hingegen sagte, die Krise sei in seinem Land deutlich zu spüren. Brandenburgs Wachstum lag 2008 bei nur 0,8 Prozent.

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