Wirtschaft : Berlin holt auf

Die Wirtschaft in der Hauptstadt wächst schneller als bisher erwartet, sagt die IBB voraus

Stefan Kaiser

Berlin - Die Berliner Wirtschaft holt im bundesweiten Vergleich deutlich auf. „Wir werden uns weiter angleichen und 2008 schon ziemlich nahe an das Bundeswachstum rankommen“, sagte Hartmut Mertens, Volkswirt der Investitionsbank Berlin (IBB), dem Tagesspiegel. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturanalyse hob die IBB auch ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich an. Statt mit einem Prozent Wachstum rechnet die Bank nun mit mindestens 1,3 Prozent. Volkswirt Mertens erwartet sogar noch etwas mehr.

Das Statistische Landesamt hatte in der vergangenen Woche die Wirtschaftsdaten für 2006 veröffentlicht: Demnach ist die Berliner Wirtschaft erstmals seit dem Jahr 2000 wieder gewachsen – und das gleich um 1,5 Prozent. „Ich rechne damit, dass die Zahlen für 2006 noch einmal nach oben revidiert werden“, sagte IBB-Ökonom Mertens. „Dann können wir für 2007 von 1,5 Prozent Wachstum ausgehen.“

Vor allem im Dienstleistungsbereich wachse Berlin derzeit stark, erklärte Mertens. Aber auch im Verarbeitenden Gewerbe sieht er für die kommenden Monate eine positive Entwicklung. „Vieles deutet darauf hin, dass die Produktion in den kommenden Monaten deutlich ausgeweitet wird“, heißt es in seiner Analyse.

Als wichtigen Wachstumsmotor sieht Mertens die Hightech-Branche: „Immer mehr kleine Industriebetriebe siedeln sich in Berlin an, vor allem in der Nähe von Forschungsstandorten wie Adlershof“, sagte der Volkswirt. Als Beispiel nannte er die Bereiche Verkehrstechnik und Automobilzulieferer. Auch die Ableger großer Konzerne, wie das BMW-Motorrad- oder das Siemens-Turbinenwerk, würden zum Wachstum beitragen. „Das Siemens-Werk ist stark ausgelastet. Dort werden Mitarbeiter gesucht.“

Seit dem Jahr 2000 war die Wirtschaft in der Hauptstadt geschrumpft oder hatte bestenfalls stagniert. Auch 2006 hinkte sie trotz des erstmaligen Wachstums den meisten übrigen Bundesländern hinterher – auch den ostdeutschen. Lediglich Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland konnte die Hauptstadt hinter sich lassen. Vom Bundesdurchschnitt, der bei 2,7 Prozent lag, blieb Berlin deutlich entfernt.

Das stärkere Wachstum in 2007 soll auch auf den Berliner Arbeitsmarkt durchschlagen. „Die Arbeitslosenzahl wird in den nächsten beiden Jahren weiter zurückgehen“, sagte Mertens. Schon in den vergangenen zwölf Monaten war die Arbeitslosenquote deutlich gesunken – von 18,6 Prozent im Januar 2006 auf 16,6 Prozent im Januar 2007. Sie liegt damit aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10,2 Prozent. „Ende dieses Jahres könnten es 15 Prozent sein“, sagte der IBB-Volkswirt. Dies entspräche einem Rückgang um knapp 30 000 auf rund 250 000 Arbeitslose.

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