Wirtschaft : Berlin Hyp: Sanierung wird Jahre dauern

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Die Aktionäre der Berlin Hyp wussten, was auf sie zukommt. So empfingen am Dienstag die rund 200 auf der Hauptversammlung in Hannover anwesenden Anteilseigner den amtierenden Vorstand mit Buh-Rufen. Das Geschäftsjahr 2000 war für die Hypothekenbank eine Katastrophe. Entlassene und beurlaubte Vorstände, ein Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses in Berlin, zwei Sonderprüfungen gemäß Paragraf 44 des Kreditwesengesetzes und insgesamt 21 Sonderprüfungen der internen Revision, sprechen eine deutliche Sprache.

Eine Erhöhung der Risikovorsorge um 433,7 Millionen Euro auf 545,1 Millionen Euro und der daraus resultierende Bilanzverlust von 561,6 Millionen Euro haben das Kernkapital der Bank auf 206,5 Millionen Euro reduziert. Um das Institut überhaupt am Leben zu erhalten, mussten die Aktionäre eine Kapitalerhöhung um 458 Millionen Euro beschließen. Doch damit ist es noch lange nicht getan. Es werde drei bis fünf Jahre dauern, bis die Sanierung greifen werde, sagte Vorstandsmitglied Dirk Hoffmann. Ob es dann die Bank überhaupt noch gibt, und wem sie dann gegebenenfalls gehört, steht allerdings in den Sternen. Vorstandsmitglied Heinz D. Gottschalk bekannte, dass im vergangenen Jahr Fehler gemacht worden seien, dass 2000 das schwierigste Jahr in der Geschichte der Berlin Hyp gewesen sei. Die Ergebnisse der Prüfungen hätten ihn "überrascht und erschüttert". Er versicherte, man habe aus den Fehlern gelernt und da, wo es notwendig geworden sei, auch personelle Konsequenzen gezogen. Er vermied es jedoch Namen zu nennen.

Kein Wort also von ihm zu der Immobiliengesellschaft Aubis, die stellvertretend für so viele Ungereimtheiten bei der Berlin Hyp steht, und den Vorstandschef der Bank, den CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky, seine Ämter kostete. Die Berlin Hyp gewährte Aubis Kredite von mindestens 600 Millionen Mark. Landowsky erhielt von einem der Aubis-Geschäftsführer eine Barspende von 40 000 Mark für die CDU. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat jüngst seinen Prüfbericht vorgelegt. Darin soll festgestellt werden, dass der Bank bekannt war, wie ungewöhnlich der Kredit war. Die Kreditnehmer hatten wenig Sachkenntnisse und außerordentlich wenig Eigenkapital vorzuweisen.

Doch die anwesenden Anteilseigner verhielten sich erstaunlich zurückhaltend. Der Vorstand habe die Warnzeichen auf dem Immobilienmarkt jahrelang nicht beachtet, so ein Kleinaktionär. Sie habe einen Großteil ihrer Altersvorsorge verloren, klagte eine Anteilseignerin. Am Abstimmungsergebnis bestand von Anfang an kein Zweifel. Die Bankgesellschaft hält 86,9 Prozent, die NordLB zehn Prozent. So wurde die Kapitalerhöhung beschlossen, der Aufsichtsrat entlastet. Der Vorstand hatte zuvor die Verschiebung seiner Entlastung beantragt.

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