Wirtschaft : Berlin Hyp: Was hinter den Gerüchten steckt

ball/dr

Die Gerüchteküche kocht. Der Grünen-Frakitonschef Wolfgang Wieland hatte bei Führungskräften der Berliner Hyp zuletzt sogar Bereicherung nicht ausgeschlossen. Warum? Weil die Berlin Hyp einer Immobilien-Gesellschaft einen Kredit von insgesamt 30 Millionen Mark gewährt hat, an der auch Dagmar Noack beteiligt ist? Sie ist die Frau von Berlin-Hyp-Vorstandsmitglied Jürgen Noack. Die Gesellschaft ist rechtlich so gestrickt, dass Dagmar Noack nicht mit ihrem Vermögen haften muss, wenn sie die Zinsen für das Geld vom Institut ihres Mannes nicht mehr zahlen kann. Geht alles gut, zahlen Frau Noack und die anderen prominenten Anleger - darunter einstige Führungskräfte Berliner Kredithäuser - die Zinsen aus den Überweisungen ihrer Mieter. Geht es aber schief, dann muss die Bank von Herrn Noack einspringen. Diese Schräglage könnte jedoch drohen.

Die Fakten. Wir schreiben das Jahr 1992. Bernd Porsch, Bauunternehmer und Beiratsmitglied der Berliner Bank, hat eine Idee: Er bietet Geschäftsfreunden den gemeinsamen Kauf des Büro- und Geschäftshauses Wallstraße 15 von der Treuhand an. Dafür gewinnt Porsch Wolfgang Steinriede, damals Vorstandschef und später Aufsichtsrat der Berliner Bank AG; Carl Lotter, damals Vorstandsmitglied der Berliner Bank AG. Mit von der Partie ist die Frau von Jürgen Noack, der damals Vorstandsmitglied der Braunschweig-Hannoverschen Hypothekenbank, an der die Berliner Bank beteiligt war. Dort war Noack damals Generalbevollmächtigter.

Dass Noacks Haus den Kredit für das Immobiliengeschäft gewährte, ist nichts Ungewöhnliches, sagt Noack heute. Die Gremien hätten die Vorgänge geprüft. Im Übrigen habe er die Gesellschafter-Verhältnisse offen gelegt. Eintragungen im Grundbuch bestätigen auch die Höhe der im Jahr 1994 eingetragene Schulden auf das Grundstück der "Banker-Immobilie": Vermerkt sind zugunsten der Hannoverschen Hypotheken Aktiengesellschaft, dessen Chef Noack war, 20 Millionen Mark. Die Verzinsung dieses Kapitals fällt der Gesellschaft nicht leicht.

Nach Beendigung der Baumaßnahmen - der Sanierung des Altbaus und der Erstellung eines ergänzenden Neubaus - ging es an die Vermietung. Doch die Immobilie mit einer Grundfläche von angeblich 10 000 Quadratmetern und einem Kaufpreis von geschätzten 6000 Mark pro Quadratmeter ließ sich nicht immer voll vermieten. Das dürfte in der Anfangsphase kein großes Problem dargestellt haben, denn die Anleger profitierten von jährlichen Steuerrückzahlungen des Finanzamtes. Da fiel es leichter, die Schräglage immer wieder auszugleichen. Bereits kurz nach ihrem Einstieg 1994 erhöhten 16 der 17 Teilhaber ihre Einlage um zusammen 5,7 Millionen Mark. Zwei Jahre später, 1996, wiederholte sich kurz vor Weihnachten der Vorgang: Dem Handelsregister ist zu entnehmen, dass dieses mal alle "Kommanditisten" zusammen weitere sechs Millionen in die Immobilien-Gesellschaft legten. Ein drittes Mal - wiederum zwei Jahre später - mussten die Anleger ihren Anteil um eine weitere Million auf 23 insgesamt erhöhen. Die letzte Eintragung stammt vom 18. Oktober 2000 und verzeichnet nur den Ausstieg eines Teilhabers aus der Gesellschaft. Wollen die Investoren die Zinsen nun nicht mehr zahlen?

Im politischen Raum streut ein Informant Gerüchte, wonach die Berlin Hyp Schulden und Zinsen erlassen habe. Dies würde den Vorwurf von "Begünstigungen" erklären. Denn die Bank würde für die fehlgeschlagenen Privatgeschäfte der Ehefrau eines ihrer Vorstände sowie zugunsten früherer Führungskräfte Stützungsmaßnahmen eingreifen. Dem widerspricht der Geschäftsführende Gesellschafter der Immobiliengesellschaft Herbert Kempf: "Bis zur Stunde wurden alle Zins- und Tilgungsverpflichtungen erfüllt."

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