Wirtschaft : Berlin in 3D

Minister Rösler eröffnet ein Forschungszentrum. „Das ist irre“, sagt er.

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Derzeit nur mit Brille. Wirtschaftsminister Philipp Rösler testet 3D-Technik. Foto: dpa
Derzeit nur mit Brille. Wirtschaftsminister Philipp Rösler testet 3D-Technik. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Philipp Rösler zupft mit einer langen Zange an einer leuchtend roten Leber herum. Es macht ihm sichtlich Spaß mit den Endoskopiegeräten zu hantieren. Was er da im Bauchraum der Attrappe macht, kann sich der Wirtschaftsminister auf dem Monitor an der Wand in dreidimensionalen Bildern anschauen. „Das ist irre“, sagt er anerkennend, mit der 3D- Brille auf der Nase. Das Endoskop der Firma Karl Storz aus Tuttlingen ist nur eines von Dutzenden Exponaten im neuen 3D Innovation Center am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin.

An dem Zentrum, an dem Produkte und Systeme getestet und gemeinsam weiterentwickelt werden sollen, sind rund 50 Partner aus Industrie und Forschung beteiligt. Auf rund 700 Quadratmetern gibt es neben einem 3D-Live-Studio und einem 3D-Kino, auch Labor- und Ausstellungsbereiche.

Neben den Bereichen Medizintechnik und Industrie werden in dem neuen Zentrum auch Anwendungen aus der Unterhaltungsindustrie mit Film, Internet und Spielen gezeigt. „3D-Technologien aus Deutschland gehören zur Weltspitze“, sagte Rösler bei der Eröffnung des Zentrums. „Ihr Einsatz in international erfolgreichen Filmproduktionen wie ,Avatar’ oder ,Hugo Cabret’ ist ein eindrucksvoller Beleg dafür.“ Das 3D-Innovationszentrum soll nach Meinung des FDP-Politikers ein wichtiger Ausgangspunkt für die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft werden.

Eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt 19 Branchen auf, in denen 3D-Technologien bereits heute genutzt werden. Dazu gehören unter anderem die Automobil- und die pharmazeutische Industrie, sowie Maschinenbau und Medizintechnik. Der Studie nach erwirtschaften rund 2500 meist mittelständisch geprägte Unternehmen in Deutschland mit 3D-Produkten und Dienstleistungen derzeit einen Umsatz von rund neun Milliarden Euro pro Jahr. 2020 soll das Marktvolumen dann bereits bei 35 Milliarden Euro liegen.

Aber alle Experten sind sich einig: Das Thema 3D wird erst richtig durchstarten, wenn es ohne Brille funktioniert. So sieht das auch Rösler und lässt sich ein entsprechendes System der Firma Dolby zeigen. „Wie lange dauert es noch, bis man so ein Gerät kaufen kann?“ fragt er Dolby-Manager Michael Dalock-Schmidt. „Zwei Jahre müssen Sie noch warten“, sagt der. Auf der Ifa kann man die Technik schon sehen.

Dolby, das durch seine Audiosysteme bekannt wurde, investiert inzwischen viel in Bildtechnik. In Berlin, wo die Firma 20 Mitarbeiter beschäftigt, sei das Herzstück für die weltweite 3D-Entwicklung, sagt Dalock-Schmidt. Ebenfalls in der Hauptstadt sitzt die Firma Imcube, die daran arbeitet, 3D-Technik billiger zu machen. Beim Film „Titanic“ habe die Umwandlung von zwei- auf dreidimensionale Bilder 93 000 Dollar die Minute gekostet. Imcube bietet die Konvertierung in 3D-Fernsehqualität für 5000 bis 9000 Dollar pro Minute an. Corinna Visser

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