Wirtschaft : Berlin kann mehr als Shopping und Tourismus

Die Hauptstadt liegt wirtschaftlich zwar hinter dem Bundesdurchschnitt – dennoch sehen Forscher und Manager positive Signale

Moritz Döbler

Berlin - Das ganze Drama des Standorts Berlin offenbart sich in einem Schaubild, das Professor Klaus Zimmermann den Teilnehmern des Manager-Panels zeigte: Gibt es Wachstum in Deutschland, dann ist es in Berlin höchstens halb so groß, stagniert die Wirtschaft bundesweit, schrumpft sie in der Hauptstadt. „Berlin hinkt seit Mitte der 90er Jahre hinterher“, sagte Zimmermann.

Doch das 11. Manager-Panel, gemeinsam vom Tagesspiegel, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Volksbank veranstaltet, suchte am Dienstagabend nach Wegen aus der Misere. Immerhin, so Zimmermanns Analyse, scheint beim verarbeitenden Gewerbe Besserung in Sicht. Auch hat sich der Einzelhandel in Berlin in diesem Jahr gut entwickelt: Die prozentualen Umsatzzuwächse im Vergleich zum jeweiligen Vorjahreszeitraum waren fast durchgängig überdurchschnittlich und erreichten im Mai rund fünf Prozent. Der Tourismus, eine der stärksten Branchen Berlins, liegt nur in den schwächeren Sommermonaten auf diesem Niveau und gipfelte im Winter und im Frühjahr in Zuwachsraten von 15 bis 20 Prozent.

Wo aber liegt jenseits von Tourismus und Shopping die Zukunft Berlins? Innovationen sind der Schlüssel, glauben die befragten Manager: 86 Prozent halten sie für wichtig, 81 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Innovation eingeführt, und 50 Prozent sind der Meinung, dass sie das besser als ihre Konkurrenz gemacht haben.

Die entscheidenden Standortfaktoren für Innovationen sehen die Berliner Manager etwas anders als ihre Kollegen im Rest der Republik. Als wichtigste Bedingungen werden zwar gleichermaßen Bildung (Deutschland: 72,6 Prozent, Berlin: 55,8 Prozent) genannt. Aber ausgerechnet in der Universitätsmetropole sehen nur 28,8 Prozent eine hohe Bedeutung der Forschung für Innovationen, während es bundesweit 67,1 Prozent sind. Auch setzen die Manager der Hauptstadt mehr auf den Staat: Forschungsförderung, staatliche Nachfrage und unternehmensexterne Finanzierungen werden in Berlin als deutlich wichtigere Standortfaktoren gesehen als im Bundesschnitt.

Unterm Strich sind die Berliner Manager zufriedener mit fast allen Standortfaktoren, die Innovationen fördern – von Bildung und Forschung bis zur staatlichen Nachfrage. Vor allem wünschen sie sich mehr Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, den Bau eines Großflughafens, die Fusion von Berlin und Brandenburg, den Abbau staatlicher Schulden, weniger Bürokratie und die Förderung nur weniger so genannter Cluster. Der Vorschlag von Axel Werwatz vom DIW, sich auf die Gesundheitswirtschaft sowie Kommunikation, Medien und Kultur zu beschränken, stieß jedoch auf Kritik.

Der Standort Berlin scheint vor allem mit sich selbst zu hadern: Eine bessere wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten erwarten nur acht Prozent der Manager, etwas weniger denken, dass es schlechter wird – und 87 Prozent erwarten Stagnation.

Positive Impulse von der bundesdeutschen Konjunktur sieht nur jeder Dritte, ein deutlich schlechterer Wert als bei der Befragung vor zehn Monaten. Immerhin trauen 39 Prozent der überregionalen Wirtschaftspolitik eine positive Wirkung zu, die regionale Wirtschaftspolitik schneidet schlechter ab. Hoffnung setzen die Manager in die Auslandsnachfrage: Mehr als jeder zweite erwartet davon Impulse, ein deutlich verbesserter Wert.

Im Vergleich zu anderen Standorten sehen sich die Berliner Manager selten vorn: Leipzig-Dresden, München, Stuttgart, der Rhein-Main-Raum, Köln-Düsseldorf oder Hamburg – nur vier bis 14 Prozent glauben, dass sich ihre Branche in der Hauptstadt besser entwickelt als an dem jeweils anderen Standort.

Staatssekretär Bernd Pfaffenbach sagte, eine kleinteilige Wirtschaftsstruktur könne auch von Vorteil sein, weil sie ein höheres Innovationstempo ermögliche. „Wir sind sehr gut in der Grundlagenforschung, lassen aber bei der Umsetzung in marktfähige Produkte nach.“

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