Wirtschaft : „Berlin macht seine eigene Marke“

Herr Wolf, wie schlecht ist die Stimmung zwischen Berlin und Brandenburg?

Nach dem Papier der Berliner IHK ist die Stimmung natürlich aufgeregt. Aber das kann heilsam sein. Denn wenn eine Seite den Fusionstermin auf den St. Nimmerleinstag legt und ansonsten meint, alles andere laufe schon weiter, dann kann das auf Dauer nicht funktionieren.

Also sind Sie zufrieden mit der IHK?

Es ist ein Alarmsignal, das den Diskussionsprozess über das künftige Verhältnis beider Länder vorantreiben kann. Aber wir müssen aufpassen, dass dieser Diskussionsprozess keine Eigendynamik entfaltet, die die funktionierende Kooperationen gefährdet oder gar zerstört.

Sind Sie auch für eine „Beziehungspause“?

Das ist nicht der richtige Begriff. Die Beziehung gibt es und sie muss weiterentwickelt werden. Aber wenn die Fusionsperspektive weg ist, macht es keinen Sinn, etwa die Fusion der Wirtschaftsförderung anzustreben. Wir würden damit unsere Berliner Wirtschaftsförderung aufgeben, während es in Brandenburg noch weitere kommunale Wirtschaftsförderer gibt, die in Konkurrenz zu Berlin stehen.

Es wird also mehr Konfrontation geben, wie die IHK empfiehlt?

Mehr Konfrontation kann kein Ziel sein. Wir haben gemeinsame Interessen, etwa bei der Vermarktung der Region und der Gewinnung von Investoren, aber auch konkurrierende Interessen, wenn es um die Standortentscheidung für Berlin oder Brandenburg geht. Brandenburg hat zum Beispiel die gemeinsame Arbeitsmarktregion aufgekündigt und kann damit Investitionen stärker fördern als Berlin.

Wirtschaftsminister Junghanns hat Ihnen aber zugesagt, dass mit höheren Fördersätzen keine Firma aus Berlin gelockt wird.

Das ist richtig. Junghanns und ich haben in der Regel vernünftige Lösungen gefunden. Aber es gibt auch widerstreitende Positionen, etwa beim Ausbau des Flughafens Finow.

Und welche Schwierigkeiten gibt es bei der gemeinsamen Vermarktung der Region?

Es gab starke Widerstände in Brandenburg gegen einen gemeinsamen Werbeslogan, der Berlin in den Mittelpunkt stellt. Wir haben jetzt als Kompromiss „Capital Region“, was natürlich eine Allerweltsmarke ist. In der Konsequenz wird Berlin jetzt seine eigene Marke entwickeln. Wir werden die starke Marke Berlin nicht mit Rücksicht auf Brandenburg verstecken.

Harald Wolf

(Linkspartei/PDS)
ist Wirtschaftssenator.

Er pflegt ein sehr

gutes Verhältnis zum Potsdamer Kollegen Ulrich Junghanns.

Mit Wolf sprach

Alfons Frese

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