Berlin : Minister: IKB ist eine Spielbank

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat das Ziel der Regierung bekräftigt, die Mittelstandsbank IKB so schnell wie möglich zu verkaufen. „Wir wollen rasch einen Verkauf.“

„Das Bieterverfahren läuft und es gibt offenbar eine Reihe von Interessenten“, sagte Glos am Mittwoch in Berlin.  Als Interessenten gelten neben ausländischen Instituten und Landesbanken auch mehrere Finanzinvestoren, wie Ripplewood, Cerberus und Lone Star. Dass sich die bundeseigene KfW-Bankengruppe im Zuge der IKB-Sanierung an der Düsseldorfer Krisenbank beteiligt habe, „war ein Fehler, der sich nun rächt“, sagte Glos. Alles in allem habe die IKB „nicht das Geschäftsmodell einer Mittelstandsbank, sondern eher einer Spielbank“ gehabt.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) schließt bei der IKB genauso wie bei anderen Instituten einen weiteren Wertberichtigungsbedarf nicht aus. „Die ehrliche Antwort lautet, das weiß keiner“, sagte er am Mittwoch. Die IKB musste bereits drei Mal mit Milliardenbeträgen der staatlichen KfW und der privaten Banken gestützt werden. Die KfW hält rund 43 Prozent an der IKB. Glos und Steinbrück sind Vorsitzende des KfW-Verwaltungsrates. Niemand könne aber die Marktentwicklung der nächsten Monate „wirklich präzise vorhersagen“, sagte Steinbrück. Das gelte nicht nur für die IKB, sondern auch „für Nordamerika, für Großbritannien, für Frankreich, für Kreditinstitute offenbar auch in der Schweiz“.

Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Jochen Sanio, sieht das internationale Finanzsystem derzeit in seiner „schlimmsten Vertrauenskrise“. Vor allem die Ratingagenturen, die Finanzmarktprodukte und -teilnehmer auf ihre Bonität hin überprüfen, hätten ihre Glaubwürdigkeit verloren, sagte Sanio am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) in Berlin. Er forderte deshalb weltweit gültige „klare Mindestanforderungen“, deren Einhaltung ein unabhängiges Gremium überwachen soll. alf/stek

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