Wirtschaft : Berlin sieht sich im richtigen Film

Die Hauptstadt holt als Standort der Kinobranche auf – vor allem dank der guten Unterstützung. Meinen die Filmförderer

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Berlin (avi). Viele Berliner freuen sich derzeit über die Stadt als Filmmetropole, strömen zum Gendarmenmarkt, um Jackie Chan und Kollegen bei den Stunts für „In 80 Tagen um die Welt“ zuzuschauen. Doch wieviel Geld bleibt von so einem Dreh in der Region? 25 Millionen Euro mindestens, verrät die Filmboard BerlinBrandenburg GmbH, die die internationale Produktion mit 500000 Euro gefördert hat. Die Finanzspritze habe das Studio Babelsberg als Finanzierungspartner interessanter gemacht, erklärte Filmboard-Chef Klaus Keil, als er am Donnerstag den Tätigkeitsbericht der Fördergesellschaft für 2002 präsentierte.

Im vergangenen Jahr förderte die Filmboard GmbH 55 Filmproduktionen mit 12,5 Millionen Euro. Insgesamt lag der von Berlin und Brandenburg gestellte Etat, der auch für Filmentwicklung, Verleih und Standortmarketing eingesetzt wird, bei 17,4 Millionen Euro. Nach Berechnungen der Investitionsbank Brandenburg bewirkten die geförderten Filme einen „Regionaleffekt“ von knapp 37 Millionen Euro. So viel Geld wurde im Rahmen der Projekte in der Region insgesamt ausgegeben.

„In 80 Tagen um die Welt“ ist für den Filmstandort Berlin mit seinem Etat von insgesamt rund 100 Millionen Euro eine Ausnahmeerscheinung. Braucht so ein Großprojekt überhaupt öffentliche Förderung? Keil verteidigte die Entscheidung: „So große Projekte strahlen aus.“ Sie seien eine Werbung für den Produktionsstandort Berlin. Zudem könnten die beteiligten Studios der Region viel lernen: „Wann erlebt man hier schon mal 180 Leute am Set“, sagte Keil.

Auch kleinere von der Filmboard unterstützte Projekte feiern Erfolge. 5,5 Millionen Zuschauer sahen „Good Bye Lenin“ mit Daniel Brühl und Katrin Saß. Die Filmboard GmbH steuerte eine Million Euro zur Produktion des Filmes bei, der die DDR wieder auferstehen lässt. Roman Polanskis „Pianist“, der zum Teil in Babelsberg gedreht und mit 665000 Euro gefördert wurde, erhielt dieses Jahr drei Oscars. Das vergangene Jahr sei in Hinsicht auf Auszeichnungen mit Abstand das erfolgreichste gewesen, berichtete Keil: 350 Preise und Festivalteilnahmen hätten Filmboard-Produktionen erzielt.

Die Filmboard GmbH hofft, sich mit derartigen Erfolgen gegenüber den Standorten München, Köln und Hamburg durchsetzen zu können. Derzeit beschäftigt die Branche insgesamt rund 10500 Menschen in der Region und erwirtschaftet rund 800 Millionen Euro, schätzt die Industrie- und Handelskammer. Zudem wachse die Branche überproportional im Vergleich zu anderen Standorten. Keil zufolge, weil Berlin immer noch als „Magnet“ für Kreative funktioniere.

In Zukunft will die Filmboard GmbH verstärkt Finanzierungsberatung anbieten. Ein „Mentorenpool“ aus Steuerberatern, Bankern und Anwälten soll Filmproduzenten und Verleiher beraten. Denn die Berliner Filmbranche zeichnet sich durch eine Vielzahl von Kleinunternehmen aus, die meist über wenig Eigenkapital verfügen.

Bei der angespannten Haushaltslage in Berlin und Brandenburg sei es schon ein Erfolg, wenn der Filmboard-Etat nicht gekürzt werde, sagte Keil. Doch es würde sich lohnen, noch mehr Geld in Filme zu investieren. Denn, so Keils Motto, „Filme sind Botschafter für die Region.“ Auch wenn Berlin im Film, wie bei „In 80 Tagen um die Welt“, manchmal so tut als sei es London.

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