Berlin : Umweltverbände warnen vor Elektro-Show

Die Regierung täusche die Öffentlichkeit beim E-Auto.

Berlin - Umwelt- und Verbraucherverbände haben den am kommenden Montag stattfindenden Elektroauto-Gipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel als Show-Veranstaltung ohne praktischen Nutzen für den Klimaschutz kritisiert. Zugleich warnten sie am Donnerstag in Berlin vor einer aus Steuergeldern finanzierten Förderung von Elektrofahrzeugen.

„Stattdessen sollte die Regierung mit einem aufkommensneutral finanzierten Marktanreizprogramm besonders sparsame Fahrzeuge unabhängig von der Technologie fördern“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Spritschlucker sollten mit einer Strafsteuer belegt werden. Als Vorbild diene Frankreich, wo der Kauf besonders effizienter Autos vom Staat gefördert wird – nicht nur die Anschaffung von Elektroautos. „Das Potenzial für die CO2- Reduzierung liegt auf absehbare Zeit bei den Verbrennungsmotoren“, sagte Wolfgang Lohbeck, verkehrspolitischer Sprecher von Greenpeace. Die Bundesregierung versuche im Schulterschluss mit der Industrie, die Öffentlichkeit zu täuschen. E-Autos seien angesichts des deutschen Strommixes mit einem hohen Anteil von Kohlekraftwerken keine Null-Emissionsfahrzeuge, wie die Hersteller glauben machten. Beim Autogipfel, bei dem Merkel die „Nationale Plattform Elektromobilität“ aus der Taufe heben will, gehe es für Autohersteller und Stromkonzerne darum, „Claims abzustecken“ , sagte Lohbeck.

Als Einzelmaßnahme mache die Förderung der Elektromobilität klimapolitisch keinen Sinn, kritisierte Thorben Becker vom Bund für Umwelt- und Naturschutz. Erst wenn der Stromverbrauch deutlich reduziert und der Strommix zugunsten der Erneuerbaren verändert werde, gebe es auch einen CO2-reduzierenden Effekt.

Für die Verbraucher sind Elektroautos aus deutscher Produktion vorerst nicht zu haben, weil noch kein deutscher Autobauer ein Fahrzeug in Serie herstellt. Verbraucherinteressen hätten beim Autogipfel ohnehin keine Stimme, bemängelte Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Der Gipfel werde deshalb einen Fehlstart hinlegen. „Es geht auch darum, wohin Steuergelder fließen. Dass die Verbraucher dabei keine ausreichende Stimme haben, ist unmöglich“, sagte Billen. mot

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