Wirtschaft : Berlin verliert die Hausgeräte-Messe an Köln

Nach jahrelangem Hickhack wird die Hometech künftig nur noch am Rhein veranstaltet

Alfons Frese

Berlin - Die Messe Berlin hat den Wettbewerb um die internationale Hausgerätemesse Hometech verloren. Die nächste, für März 2006 geplante Hometech findet nicht in Berlin, sondern in Köln statt. Damit endet ein fast fünfjähriges Tauziehen zwischen den beiden Messeplätzen um die Hausgerätebranche. Anfang 2001 hatte es noch nach einem Sieg für Berlin ausgesehen. Damals gab der Verband der europäischen Hausgerätehersteller (CECED) dem Berliner Konzept der Hometech den Zuschlag. Die Domotechnica, die viele Jahre erfolgreich von der Kölner Messe veranstaltet worden war, hatte sich überlebt. Den „Kühlschrankkrieg“ zwischen Berlin und Köln beendeten die konkurrierenden Messegesellschaften, indem sie ein Joint-Venture gründeten, die Cologne Berlin Fairs GmbH&Co. KG (CBF). Zweck der CBF: Veranstaltung der Hausgerätemesse im zweijährlichen Wechsel zwischen Berlin und Köln.

2002 war erstmals Berlin dran, 2004 Köln. Mit der Rückverlagerung der Messe auf den Heimatstandort Köln ist nun das Joint Venture überflüssig geworden, die beiden Messegesellschaften einigten sich auf dessen Auflösung.

Wie es bei den Beteiligten hieß, war die Hausgerätebranche von dem Ortswechsel nicht überzeugt und wünschte sich wieder einen „beständigen Standort“. Da Köln über die größere Tradition verfügt und der Mittelstand überdies die Domstadt bevorzugte, hatte Berlin schlechte Karten. Bei Miele hieß es auf Anfrage: „Wir waren immer für Köln.“ Das alte Domotechnica-Konzept sei gut gewesen, und „auch logistische Gründe sprechen für Köln“. Der Verband der Hausgerätehersteller hatte dagegen im Jahr 2001 verlautbart: „Ein Strauß von Argumenten und Ideen hat uns von der Hometech in Berlin überzeugt.“

Analog zur Industrie, die seit Jahren unter asiatischer Billigkonkurrenz leidet, tat sich auch die Hometech schwer. Nach Branchenangaben konnte die Messe Berlin im Jahr 2002 noch 52000 Quadratmeter bei der damaligen Hometech vermieten, zwei Jahre später in Köln waren es nur noch 40000. Bei einem Mietpreis von rund 160Euro je Quadratmeter ergibt das einen Umsatz von etwa 6,5 Millionen Euro. Die großen Hersteller Bosch-Siemens, Whirlpool und Electrolux waren 2004 nicht vertreten.

Für die Messe Berlin ist das Abenteuer Hometech vermutlich teuer geworden, in der Bilanz 2003 steht das Joint Venture CBF mit rund 3,3 Millionen Euro Verlust. Und selbst dann, wenn die Messe Berlin für die Auflösung des Joint Ventures eine Gegenleistung von der Kölner Messe bekommt, wie in Branchenkreisen vermutet wird, dürfte das nur schwer die Kosten für die Hometech in Berlin ausgleichen. Doch bei der Messe Berlin heißt es, das Hometech-Projekt sei „insgesamt positiv“ für das Unternehmen gelaufen.

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