BERLIN : Viel Armut – aber die Wirtschaft wächst

Berlin ist auch die Hauptstadt der Gegensätze: Jeder vierte Bürger läuft Gefahr zu verarmen, zugleich wächst die Wirtschaft so stark wie in kaum einem anderen Bundesland. Ein Plus von 1,8 Prozent kalkulieren die Volkswirte der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) für das kommende Jahr – das wäre ein gutes Stück über dem derzeit angenommenen Bundesschnitt von etwa einem halben Prozent, zugleich ein Plus gegenüber 2012 mit geschätzten 1,5 Prozent Wachstum. Und das, obwohl die Industrie erneut in den Stillstand verfallen ist; Siemens etwa schrumpft und streicht Stellen zusammen.

Wie passt beides zusammen? Ein Grund für die neue Dynamik der Hauptstadt ist der immer weiter anschwellende Touristenstrom. Womöglich wird noch 2013 die Schwelle von 25 Millionen Übernachtungen geknackt. 2015 ist bereits die 30-Millionen-Grenze in Sicht, prophezeit IBB-Chefökonom Hartmut Mertens. Eine weitere starke Säule Berlins ist die Bauwirtschaft, die sich derzeit vor Aufträgen kaum retten kann, auch wegen des Immobilienbooms im Zuge der Finanzkrise und des steten Zustroms neuer Bürger. Das sorgt ebenfalls für neue Arbeitsplätze – schon seit Monaten wächst die Beschäftigung in der Hauptstadt doppelt so stark wie im Rest der Republik. An jedem Tag entstehen derzeit rund 100 neue Stellen. Der Trend dürfte 2013 mehr oder weniger anhalten – damit wächst auch die Chance, dass Berlin seinen Makel als ewiges Schlusslicht in der Arbeitsmarktstatistik irgendwann ablegt. brö

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