Wirtschaft : Berlin will Bankgesellschaft entlasten

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Mit umfassendem Restrukturierungskonzept, Stellenabbau und personellem Neuanfang versucht die Bankgesellschaft, neues Vertrauen im Markt zu gewinnen. Nach einer Aufsichtsratssitzung sagte Finanzsenatorin Christiane Krajewski am Freitag, die Ertragskraft der Bank solle so gestärkt werden. Die Beschlüsse seien auch ein Zeichen dafür, dass die Bankgesellschaft langfristig eine Bank des Landes sein werde. Der Erhalt sei im Interesse des Standortes und der Arbeitnehmer. Außerdem seien mit der Beteiligung finanzielle Interessen verbunden. Das Restrukturierungskonzept gilt als Voraussetzung dafür, dass die EU-Kommission die milliardenschwere Rettungsbeihilfe des Landes nachträglich absegnet.

Obwohl ein Verkauf zurzeit schon wegen der schwierigen Lage der Branche nicht in Frage kommt, verhandelt das Land weiter mit den drei bekannten Interessengruppen. Dazu zählen neben der NordLB und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband, die Gruppe um den US-Investor Christopher Flowers, der fast 20 Jahre für Goldman Sachs gearbeitet hat, sowie die Texas Pacfic Group des Rechtsanwaltes David "bono" Bondermann, der mit der Sanierung von Continental Airlines und der Beteiligung an der Schuhmarke Bally von sich reden machte.

Ungeachtet dieser Verhandlungen wird die Bankgesellschaft nun zunächst durch das Land Berlin selbst entlastet. Das Land, mit derzeit 81 Prozent des Kapitals Hauptanteilseigner, versucht durch eine "noch zu erarbeitende EU-konforme Vereinbarung, die Bank vollständig von den Risiken des Immobiliendiensleistungsgeschäftes zu befreien". Die Immobilientöchter IBG/IBAG waren maßgeblich für den Drei-Milliarden-Mark Verlust 2000 verantwortlich. Über die Modalitäten machte die Finanzsenatorin keine Angaben. Darüber werde man in der nächsten Woche zu beraten haben, sagte sie.

Unter dieser Voraussetzung sei bereits im laufenden Jahr mit einem ausgeglichenen Jahresergebnis zu rechnen, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter. Vetter begann seine Karriere bei der Deutschen Bank und war zuletzt Vize der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Als neuer Immobilienvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender kam er Anfang November zur Bankgesellschaft.

Der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Hartmut Friedrich sieht die Entwicklung skeptischer. "Wenn uns eine Konsolidierung im Jahr 2002 gelingt, wäre das gut", erklärte er dem Tagesspiegel. Der einstimmige Beschluss sei aber ein klares Signal an den Markt. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 17. Dezember müsse ein klares Konzept für den nötigen Kostenabbau durch die Arbeitnehmer auf den Tisch. Insgesamt sind die elf Betriebs- und Personalräte des Konzerns aufgerufen, Sparvorschläge in Höhe eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrages zu erarbeiten. Wo und wie der geplante Stellenabbau erfolgen wird, ist noch unklar.

Der Konzern, der im Juni noch 14 900 Mitarbeiter beschäftigte, will bis zum Jahr 2005 auf insgesamt 4000 Stellen verzichten. Darin sind die 1600 Arbeitsplätze, die bisher stets als Größenordnung für einen Personalabbau im Gespräch waren, enthalten. Ob es zu Entlassungen kommen wird, ist noch unklar. Nach Angaben von Helmut Tesch, Gesamtpersonalrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Bankkonzerns, werde man über sozialverträgliche Lösungen verhandeln. Bis Ende 2004 sei aber ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vertraglich gesichert, erinnerte er. Zu dem geplanten Bündel personalpolitischer Maßnahmen zähle der Verzicht auf freiwillige Sozialleistungen und Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich, erklärte Tesch.

Den Rücktritt von Wolfgang Rupf, der wie die beiden anderen Konzernvorstände Thomas Kurze und Lothar Wackerbeck, ihre Ämter niederlegen, wird von den Arbeitnehmern als psychologisch wichtiges Signal für einen Neuanfang gewertet.

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