Wirtschaft : Berlin will keine neue EADS-Führung

Bundesregierung setzt sich von Paris ab

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Berlin - Beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zeichnen sich Meinungsunterschiede zwischen Deutschen und Franzosen über die Konzernreform und die Lösung der Produktionsprobleme beim Airbus A380 ab. Während das Pariser Finanzministerium dem Vernehmen nach den französischen EADS- Co-Chef Noël Forgeard durch einen Mann seines Vertrauens ersetzen will, sieht die Bundesregierung keinen Grund für neue Strukturen. Derweil warnten die französischen Gewerkschaftsbünde FO und CFTC davor, dass die Deutschen ein zu großes Gewicht bekommen könnten. „EADS ist zunehmend die Beute der Forderungen der Deutschen“, hieß es.

Die Tageszeitung „Le Monde“ berichtete, bereits bei der Einschätzung der Probleme beim Airbus A 380 sei eher ein Graben zwischen Deutschen und Franzosen als zwischen EADS und der Tochterfirma Airbus deutlich geworden. Zum Beleg zitiert das Blatt aus dem Protokoll einer Sitzung der EADS- Top-Manager vom 12. Mai in Amsterdam. Dabei habe Forgeard mehrfach nach Verzögerungen beim A380 gefragt und erklärt, er könne einer Bestätigung der Marktleitlinien nur zustimmen, wenn Finanzchef Hans Peter Ring bestätige, dass die darin genannten Verzögerungen beim A380 nicht überholt seien. Der französische EADS-Verwaltungsrat Louis Gallois habe zur Vorsicht gemahnt und erklärt, wenn die Marktleitlinien nicht mehr korrekt seien, müsse man „das dem Markt mitteilen“.

Der deutsche Airbus-Chef Gustav Humbert habe zwar Verzögerungen von drei bis fünf Monaten zugegeben. Er habe aber hinzugefügt, man werde erst nach Tests im August wissen, ob man die Verzögerungen aufholen könne. Im schlimmsten Falle könnten 2007 acht bis zehn und im besten Falle 17 bis 20 A380 ausgeliefert werden, was die Annahme von 13 Maschinen rechtfertige. Damit könne die Erwartung eines Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,6 Milliarden Euro beibehalten werden. Während die Franzosen mehr Details verlangten, hätten die Deutschen erklärt, man könne keine genaueren Angaben machen. Der deutsche EADS-Co-Präsident Manfred Bischoff habe schließlich festgehalten, dass der Rat beschlossen habe, die Marktrichtlinien nicht zu ändern.

Airbus kommt mit der A380-Fertigung wegen Problemen bei der Verkabelung nicht nach. Nach Angaben vom 13. Juni können 2007 nur neun Maschinen ausgeliefert werden, was zu einem Ebit-Einbruch um 500 Millionen Euro führt. dpa

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