Berliner Asien-Pazifik-Woche : China und die "McDonaldisierung"

Wer fremde Märkte erschließen möchte, muss die Ernährungsgewohnheiten der Menschen kennen. Deshalb treffen sich Unternehmer und Wissenschaftler auf der Asien-Pazifik-Woche in Berlin.

Jana Gioia Baurmann
Cola statt Tee. In China ändern sich die Ess- und Trinkgewohnheiten.
Cola statt Tee. In China ändern sich die Ess- und Trinkgewohnheiten.Foto: REUTERS

Naturtrüber Bio-Apfelsaft und Jasmintee wurden am Donnerstag im Roten Rathaus ausgeschenkt. Unternehmer und Wissenschaftler aus Deutschland und Asien tauschten sich im Rahmen der Asien-Pazifik-Woche über das Thema Ernährung aus. Apfelsaft und Tee zeigen: Um Märkte erschließen zu können, muss man erst einmal die Ess- und Trinkgewohnheiten der anderen verstehen.

Und Stereotype beseitigen: Asiaten essen wenig Fleisch und vertragen keine Milchprodukte? Nicht ganz richtig. Es wird angenommen, dass 70 bis 80 Prozent der Asiaten eine Lactoseunverträglichkeit haben. Bei 1,3 Milliarden Chinesen bleiben so aber immer noch 260 potenzielle Verbraucher, drei Mal so viel Konsumenten wie in Deutschland. Und Asiaten essen immer mehr Fleisch und Milchprodukte.

Gerade für die deutsche Agrarindustrie wird der asiatische Markt daher immer interessanter: „Da geht die Post ab“, sagt Holger Hübner von der German Export Association for Food and Agriproducts (Gefa). Deutschland ist Europas zweitgrößter Lebensmittelproduzent, führend im Export von Käse, Fleisch und Fleischprodukten. Der europäische Markt ist nahezu gesättigt, die asiatischen Länder locken mit Wachstum. Der Export deutscher Agrarprodukte nach Asien hat sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt. Im Juni 2011 exportierten die deutschen Unternehmen Waren im Wert von 16 Milliarden Euro. „Vor allem Milch- und Molkereiprodukte sind gefragt“, sagt Hübner. Der Export von Milchprodukten nach Saudi-Arabien, China, Südkorea, Indonesien und Malaysia hat sich fast verdreifacht. „Die Asiaten profilieren sich mit dem Konsum westlicher Lebensmittel“, sagt Hübner.  Die Produkte seien nahezu identisch, nur bei der Verpackung gebe es Unterschiede: „Das Outfit muss greller, bunter und moderner als für den europäischen Markt sein.“

Im nächsten Jahr wollen die Gefa und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) den Schwerpunkt ihres Auslandsmesseprogramms nach Asien verlagern: 2012 werden 34 Fachmessen im Ausland stattfinden, fast die Hälfte in asiatischen Ländern. Auch Kooperationen mit Handelsunternehmen und Supermarktketten sind angedacht. In Hongkong konnten Chinesen jüngst schon testweise deutsche Produkte kaufen. Vier Supermärkte boten Milch, Butter und andere deutsche Lebensmittel an. Die Nachfrage soll hoch gewesen sein.

Weltweit beeinflussen soziale Veränderungen die Trends auf dem Lebensmittelmarkt. Ob in Deutschland oder Asien: Die Menschen werden älter, immer mehr Frauen arbeiten, weniger Kinder werden geboren. Das hat Auswirkungen. Peter Stehle, Bereichsleiter des Instituts für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, spricht von einer globalen „McDonaldisierung“, das traditionelle Mahlzeitenmuster falle weg. So kochen beispielsweise nur noch elf Prozent der Deutschen, 1995 waren es noch 21 Prozent gewesen. Die Zeit zum Einkaufen und Kochen fehlt. Auch in Asien nimmt die Coffee to go-Manie zu: Die Kaffeekette Starbucks, die Karamel-Macchiato und andere Kaffeegetränke in Pappbechern mit Plastikdeckeln anbietet, expandiert hier im großen Stil.

McDonald’s plant, in den nächsten vier Jahren an jedem Werktag eine neue Filiale in China zu eröffnen. Zurzeit unterhält die Fast-Food-Kette rund 1300 Filialen in China, bis 2013 sollen weitere 700 dazukommen. Der Markt ist da: 3200 Kentucky Fried Chicken-Filialen gibt es schon. Offenbar wollen die Chinesen Cola und Burger, keinen Jasmintee.

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