Wirtschaft : Berliner Bank im Visier

Sparkasse und Volksbank planen gemeinsamen Kauf

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam (MBS) und die Berliner Volksbank wollen die Berliner Bank von der Bankgesellschaft Berlin kaufen. Es wäre das erste Mal, dass eine öffentlich-rechtliche und eine genossenschaftliche Bank eine Privatbank übernehmen. Walter Schubert, der Vorstandsvorsitzende der MBS, der drittgrößten Sparkasse Ostdeutschlands, sagte allerdings am Dienstagabend in Berlin, er rechne mit Widerstand im Bankenverband. Karl Kauermann, Chef der größten regionalen Volksbank hatte ebenfalls mehrfach sein Interesse an der Berliner Bank bekundet, war aber vom Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken stets gebremst worden. Er begrüßte den Vorstoß Schuberts. „Auch wir favorisieren eine regionale Lösung.“

Der Kaufpreis dürfte sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen, Schubert nannte eine Summe von 400 bis 500 Millionen Euro zu hoch. Beraten werden die potenziellen Käufer von der US-Investmentbank JP Morgan. Auch eine Berliner Unternehmensberatung soll mitwirken. Die Branche verfolgt den Plan aufmerksam, weil er eine Aufweichung des Drei-Säulen-Modells – Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen – bedeuten könnte. Es wird häufig für die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Banken verantwortlich gemacht.

Nach einer Auflage der EU muss die Bankgesellschaft Berlin den Teilbereich Berliner Bank ausgliedern und veräußern. Die Berliner Bank soll noch bis zum Jahresende ausgeschrieben werden.

MBS-Chef Schubert hat klare Vorstellungen, wie der Kauf abgewickelt werden könnte. Die MBS will am Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit halten. Der Name Berliner Bank soll erhalten bleiben, die MBS zielt vor allem auf beratungsintensive, besser verdienende Kunden. Kannibalisierungseffekte, also die Tatsache, dass sich Berliner Bank und Mittelbrandenburgische Sparkasse Kunden abspenstig machen könnten, fürchte er nicht, sagte Schubert. Er rechne mit einer Aufbauphase von drei bis vier Jahren bei der Berliner Bank, derzeit sei die Bank ja nur „virtuell“. Rund 350 bis 400 Stabsstellen seien zu besetzen. Mittelfristig strebe er eine Rendite von zehn bis 15 Prozent auf das eingesetzte Kapital an.

Die MBS dürfte genug Geld haben. Die „Kriegskasse“ des Instituts dürfte sich auf weit über eine halbe Milliarde Euro belaufen. Das wirtschaftliche Eigenkapital des Instituts bezifferte Schubert auf 685 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr hat das Potsdamer Institut, das rund 1,1 Millionen Konten verwaltet, erneut gut verdient. Zwar kostete die Fusion mit der Sparkasse Teltow-Fläming mehr als 1,4 Millionen Euro, doch konnte die MBS ihr Ergebnis vor Risikovorsorge um 15,2 Prozent auf 115,1 Millionen Euro steigern. Die Cost-Income-Ratio liegt bei 48,2 (Vorjahr: 52) Prozent. Das heißt, die MBS musste 48,2 Cent aufwenden um einen Euro zu verdienen. Bei den ostdeutschen Sparkassen insgesamt liegt dieser Wert bei 60,4.

Den verfügbaren Jahresüberschuss gab Schubert mit 72,7 (46,7) Millionen Euro an. Dies entspricht 1,1 (0,72) Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Fast 53 Millionen Euro stellte die Sparkasse in die Reserven, sechs Millionen wurden an die Gewährträger ausgeschüttet.

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