Wirtschaft : Berliner Bank schreibt schwarze Zahlen

Erfolgreiche Neustrukturierung: 365 Millionen Gewinn / Milliardenverlust des Vorjahres überwunden BERLIN (dw).Vorstandssprecher Klaus von der Heyde war die Erleichterung anzumerken: "Die Berliner Bank ist wieder da!".Nach gewaltigen Verlusten im Jahre 1996 gelang es dem Geldinstitut, im vergangenen Jahr einen Gewinn von 365 Mill.DM zu erwirtschaften - davon 240 Mill.DM im operativen Geschäft.Damit schreiben nunmehr alle Teilbanken der Bankgesellschaft Berlin schwarze Zahlen.Die "recht grausige Zeit" (von der Heyde) scheint überwunden: Im Jahre 1996 noch mußte die Bankgesellschaft eine Wertberichtigung von 2,2 Mrd.DM ausweisen, wobei die Berliner Bank allein für 1,4 Mrd.DM verantwortlich war.Dank einer umfassenden Restrukturierung und einer vorsichtigeren Risikopolitik, freute sich von der Heyde, könne die Berliner Bank wieder einen positiven Konzernbeitrag leisten: "Wir haben rechtzeitig den Keller ausgefegt und alle Leichen rausgeholt." Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein."Obwohl bisher keine größeren Kreditausfälle zu verzeichnen sind, müssen wir angesichts der Lage am Berliner Immobilienmarkt Risikolatenzen in Rechnung stellen", sagte von der Heyde.Wie im vergangenen Jahr müsse man auch 1998 rund 50 Prozent der Risikovorsorge für Engagements im Immobilienbereich festlegen.Immerhin mußten 1997 nur noch 195 Mill.DM für die Risikovorsorge eingestellt werden."Hier liegt der wichtigste Zwischenerfolg unserer Konsolidierungspolitik des letzten Jahres", betonte von der Heyde.Nach der Entwicklung in den ersten beiden Monaten des neuen Geschäftsjahres 1998 sehe es so aus, als könne die Berliner Bank "die erreichte operative Ertragskraft oberhalb von 200 Mill.DM stabilisieren." Bei der Neustrukturierung im vergangenen Jahr sei "kein Stein auf dem anderen geblieben".Die Bank sei nun klar in fünf "Divisionen" gegliedert: Konzernkunden, Internationales Geschäft, Firmenkunden Inland, Immobilienmanagement und Private Kunden.Die Verwaltungskosten konnten um drei Mill.DM reduziert, die Personalaufwendungen um 2,2 Prozent auf 317,3 Mill.DM verringert werden.Zwar ging die Zahl der Mitarbeiter von 3524 auf 3428 zurück, doch konnte dies ohne betriebsbedingte Kündigungen realisiert werden. Bei der Kreditvergabe werde von einem zentralen Stabsbereich Kredit eine neue Risikopolitik umgesetzt."Risiko-Klumpen" sollten nun vermieden werden: Von der Heyde verwies darauf, daß an der Milliarden-Schieflage des Jahres 1996 zu 90 Prozent lediglich 20 bis 25 Engagements schuld waren.Künftig werde Kapital nach höheren Maßstäben vergeben: "Diese Bank war zu großzügig", sagte von der Heyde, Kreditkunden müßten künftig eine strengere Prüfung erwarten.Gleichzeitig werde aber eine neue Kundenorientierung geboten: Die Öffnungszeiten der 95 Berliner Filialen wird von 9 auf 14 Uhr ausgedehnt (bisher 13.30 Uhr).An Dienstagen und Donnerstagen werde künftig ohne Mittagspause bis 18 Uhr geöffnet bleiben.Bei Terminvereinbarung stünden Mitarbeiter an sieben Tagen der Woche bis 20 Uhr zur Verfügung. In Nischenmärkten mit besseren Gewinnmargen, wie etwa der Film-Finanzierung, wolle die Bank engagiert bleiben.Das internationale Geschäft werde sich künftig auf die Zielregion Zentral- und Osteuropa konzentrieren.Die BB Polska entwickle sich zu Beginn ihres ersten vollständigen Geschäftsjahres 1998 bereits positiv.Neben Tschechien gerate auch Moskau als Standort "mit Vorsicht und Augenmaß" immer mehr ins Blickfeld.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben