Wirtschaft : Berliner Bank soll an Deutsche Bank gehen

Entscheidung wird angeblich am heutigen Mittwoch verkündet / Kaufpreis offenbar höher als erwartet

Stefan Kaiser

Berlin - Die Deutsche Bank steht offenbar kurz vor dem Kauf der Berliner Bank. Am Dienstagabend kam der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin zusammen, um dem Verkauf zuzustimmen. Nach Informationen des Tagesspiegel aus Finanzkreisen könnte die Entscheidung schon am heutigen Mittwoch offiziell verkündet werden. „Eine Entscheidung steht kurz bevor, sie ist aber noch nicht gefallen“, hieß es am Dienstag aus den Kreisen. Die Bankgesellschaft, die die Berliner Bank wegen Auflagen der EU-Kommission bis spätestens Oktober verkaufen muss, wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Auch bei der Deutschen Bank hieß es „kein Kommentar“.

Die Bankgesellschaft verhandelt nach eigenen Angaben bereits seit Mitte Mai mit wenigen Bietern über den Verkauf ihres Tochter-Instituts. Die Deutsche Bank galt von Anfang an als Favorit, weil sie offenbar das höchste Angebot vorlegte. Bisher war ein Verkaufspreis von 400 bis 500 Millionen Euro erwartet worden. Laut Finanzkreisen soll der nun vereinbarte Preis aber deutlich darüber liegen. Neben der Deutschen Bank sollen auch die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die Citibank und die Berliner Volksbank zu den Bietern gehört haben.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte in den vergangenen Wochen immer wieder sein Interesse an der Berliner Bank betont. „Ich finde es nicht gut, wenn in der Hauptstadt eine ausländische Bank mehr Filialen hat als die Deutsche Bank", hatte er auf der Hauptversammlung am 1. Juni gesagt – offenbar mit Blick auf den Bieterwettstreit mit der Citibank. Mit der Berliner Bank würde Ackermann 317 000 Privat- und rund 14 000 Firmenkunden gewinnen.

In der Finanzszene wurde der Bieterkampf um die Berliner Bank auch deshalb so genau beobachtet, weil er das Vorspiel zu einer deutlich größeren Schlacht ist: Im kommenden Jahr muss das Land Berlin die Bankgesellschaft verkaufen – auch das gehört zu den Auflagen, die die EU-Kommission vorschrieb, als sie die Milliarden-Beihilfen genehmigte, mit denen das Land die Bankgesellschaft 2001 vor dem Zusammenbruch bewahrt hatte. Hier stehen private Banken ebenfalls bereits in den Startlöchern, sie haben es vor allem auf die Berliner Sparkasse abgesehen, die Teil der Bankgesellschaft ist. Auch das öffentlich-rechtliche Lager rüstet sich für das Gefecht. „Wir haben immer gesagt, wenn es zum Bieterverfahren kommt, sind wir mit dabei“, sagte Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) dem Handelsblatt. Er kenne keine Landesbank, die ohne weiteres einen Kaufpreis von vielleicht vier Milliarden Euro stemmen könnte. „Wenn einer aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor kauft, dann die Sparkassen-Organisation“, sagte Haasis. Für den Kauf komme die öffentliche Körperschaft des DSGV in Betracht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar