Wirtschaft : Berliner Bank, zum Ersten

Der Verkauf ist eröffnet, die Interessenten haben Zeit bis zum 9. Dezember

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Das Bieterrennen um die Berliner Bank ist eröffnet – seit Freitag auch offiziell. Den Startschuss gab die Bankgesellschaft Berlin, Mutter des Instituts mit einer Verkaufsanzeige. Interessenten, so heißt es dort sinngemäß, sollen sich bis zum 9. Dezember 2005 melden.

Die Berliner Bank, da ist sich die Branche einig, ist interessant. Gegründet 1950, verkörpert sie sozusagen „den guten Teil“ des alten West-Berlin. Heute fungiert sie als Niederlassung der Landesbank. 318000 Privat- und 14000 Firmenkunden zählt sie. In der Bank mit ihren 60 Kunden- und Beratungszentren arbeiten derzeit mehr als 1200 Menschen, davon 660 im Vertrieb und 140 in Zentralfunktionen.

Ursprünglich hatte sich die Bankgesellschaft gar nicht von diesem „Schatz“ trennen wollen. Zwar steht die Berliner Bank nur noch mit einem Euro in den Büchern der Sparkasse, als Verkaufspreis werden auf dem Markt aber Summen zwischen 300 Millionen Euro und einem Vielfachen davon genannt. Die Berliner Bank sollte zumindest im Abwicklungsbereich mit der Berliner Sparkasse zusammengelegt werden und weiterhin als Aushängeschild für die vermögendere Kundschaft des Konzerns dienen.

Doch dem schob die EU-Kommission einen Riegel vor. Nur unter der Bedingung, dass die Bankgesellschaft die Berliner Bank bis Anfang 2007 verkauft, genehmigte die Brüsseler Behörde eine Kapitalspritze des Landes in Höhe von 1,75 Milliarden für den Konzern. Ohne diese hätte die Bankgesellschaft nicht überleben können. Doch die Kommission wollte die Marktmacht des Konzerns beschneiden. Immerhin hat die Berliner Bank einen Marktanteil von rund sieben Prozent. Die Sparkasse, ebenfalls zum Konzern gehörend, bringt es gar auf einen Marktanteil von gut 40 Prozent. Zu viel für einen Konzern, dem mit stattlichen Geldern das Überleben garantiert wurde, stellte man in Brüssel fest. Damit die Entflechtung Bestand hat, gab es noch eine weitere Auflage. Die Bankgesellschaft, die bis Ende 2007 verkauft werden muss, und im Wesentlichen aus der Sparkasse besteht, und die Berliner Bank dürfen nicht an den gleichen Erwerber geben.

„Kein Problem“, sagt Walter Schubert, Vorstandsvorsitzender der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Die Kriegskasse ist gefüllt. Ursprünglich hatte Schubert die Berliner Bank zusammen mit der Berliner Volksbank übernehmen wollen. Deren Chef Karl Kauermann wollte so sein genossenschaftliches Institut absichern und seine Zeit als Chef der Volksbank krönen. Bis zu 350 Millionen Euro soll er bereit sein zu zahlen. Doch das Geld fehlt ihm. Er braucht den Genossenschaftsverband. Der sagte erst nach langem Zögern seine Unterstützung zu, was prompt die kleineren Volksbanken auf den Plan rief, die sich noch gut daran erinnern können, wie sie der Berliner Volksbank in den vergangenen Jahren mit rund 1,5 Milliarden Euro beistehen mussten. Schubert will notfalls auch alleine für die Berliner Bank bieten. Bedenken aus dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) bezeichnet er als „völlig unbegründet“. Ebenfalls aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich kommt die WestLB mit ihrem Vorsitzenden Thomas Fischer, die Interesse angemeldet hat.

Aber da sind auch noch die Privaten, die, so Beobachter, auch in der Zentrale der Bankgesellschaft am Berliner Alexanderplatz gerne gesehen würden. Und schließlich noch die ausländischen Institute und Investmentgesellschaften wie Lone Star oder Capital Partners. Anfragen für die Unterlagen wird es viele geben. Wer lässt sich schon die Gelegenheit entgehen, einmal einen genauen Blick in die Bücher der Berliner Bank zu werfen?

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