Wirtschaft : Berliner Biere aus einem Zapfhahn

Der neue Konzern vereint die Konkurrenten Berliner Pilsner, Schultheiss und Kindl

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Die Mitarbeiter von Brau und Brunnen in Berlin haben erst aus der Zeitung oder dem Fernsehen von der Übernahme durch die zu Oetker gehörende RadebergerGruppe erfahren. Die Belegschaft sei aber froh, dass ein deutscher Konzern das Rennen um Brau und Brunnen gemacht habe, heißt es aus dem Unternehmen. Allerdings sind die Konsequenzen für den Standort Berlin noch nicht abzusehen. Zu Brau und Brunnen gehören die Biermarken Schultheiss und Berliner Pilsner. Zu Radeberger gehören Kindl und die Premiummarke Kindl Jubiläums Pilsener.

Beide Brauereien haben Produktionsstandorte und einen Teil der Verwaltung in der Stadt und beschäftigen zusammen rund 700 Mitarbeiter. „Von der Konzernleitung wurde uns mitgeteilt, dass zunächst alles beim Alten bleibt“, sagte Jochen Schmitt, Geschäftsführer der Berliner Schultheiss Brauerei. „Wir hoffen natürlich, dass das so bleibt.“ Was in den kommenden Jahren passieren wird, sei aber nicht abzusehen. Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, hält mittelfristig eine Zusammenlegung der Brauereien oder der Verwaltungen für wahrscheinlich.

Mit der kurz nach der Wende übernommenen Ostmarke Berliner Pilsner hat die Schultheiss Brauerei ein Erfolgsprodukt im Programm. „Wir haben die Marke Berliner Pilsner vor drei Jahren komplett erneuert; seitdem wächst sie stetig“, sagt Geschäftsführer Schmitt. Trotz Dosenpfand und sinkender Bierlaune der Verbaucher sei der Bierausstoß im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf insgesamt 670 000 Hektoliter gestiegen. Geplant sei, die Marke vor allem im ostdeutschen Raum bekannter zu machen.

Dagegen dümpelt die Marke Schultheiss eher vor sich hin. Schultheiss gilt als das typische Eckkneipen-Bier der Berliner und hat in den vergangenen Jahren an Umsatz verloren. Vor der Wende waren Kindl und Schultheiss die Erzkonkurrenten auf dem West-Berliner Markt. Radeberger versucht ebenfalls, Kindl aufzuwerten und hat dafür die Zweitmarke Kindl Jubiläums-Pilsener geschaffen. 2003 brach der Umsatz der Marke Kindl aber „leicht zweistellig“ ein, sagte Kindl-Sprecher Dirk Streich. Grund sei das Einwegpfand gewesen. Bei Kindl habe der Anteil von Dosen vor der Einführung des Pflichtpfandes bei mehr als 40 Prozent gelegen. Entsprechend drastisch sei der Umsatzeinbruch gewesen, sagte Streich. Der Kindl-Sprecher rechnet nicht damit, dass eine der Marken vom Markt verschwindet. Kindl sei in Berlin schließlich immer noch der Marktführer. msh

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