Wirtschaft : Berliner Börse beschwert sich über die Sparkasse

Die Börse bietet günstige Fonds an – doch die Bankgesellschafts-Tochter verlangt hohe Gebühren.

Daniel Rhee-Piening

Berlin - An der Börse Berlin-Bremen ist man verstimmt. Ausgerechnet die Berliner Sparkasse mache dem Berliner Handelsplatz mit ihren Gebühren das Leben schwer, lautet der Vorwurf. Es geht um eines der wachstumsstärksten Segmente, den Handel mit Anteilen an Investmentfonds. Seit 2003 werden an der fusionierten Börse von Berlin und Bremen 145 Fondsanteile der wichtigsten und größten Fonds-Gesellschaften in Deutschland gehandelt wie Aktien.

Zu der Angebotspalette gehören Aktien-, Renten- und Geldmarkt-Fonds, darunter die zehn der liquidesten Fonds-Anteile insgesamt.Auch Privatanleger können über ihre Bank und einen Makler dort kaufen und verkaufen. Für die Anleger eine durchaus bedenkenswerte Alternative zum Kauf über die Bank beziehungsweise eine Kapitalanlagegesellschaft. Der Investor spart beispielsweise beim Kauf den Ausgabeaufschlag, der bis zu fünf Prozent des Preises des einzelnen Fondsanteils betragen kann. Fällig wird nur eine Makler-Courtage von 0,08 Prozent. Außerdem gibt es eine Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, den so genannten Spread. Er darf im Höchstfall zwei Prozent betragen. Für den Kauf und Verkauf gibt es außerdem an der Berliner Börse keine Mindestumsätze, der Makler muss lediglich zwischen 09.00 und 20.00 Uhr handelbare Kauf- und Verkaufspreise stellen.

Bei den Anlegern kommt das Angebot offenbar gut an. Der Umsatz in Berlin hat sich im vergangenen Jahr auf rund eine Milliarde Euro verdoppelt. Und die Auswahl wird größer. Rund 2500 Fonds werden inzwischen an der Berliner Börse gehandelt. Allein rund 1400 Aktienfonds und mehr als 500 Rentenfonds gibt es dort. Es finden sich große Adressen wie der Fidelity European Growth oder Unieurorenta aber auch der Grundbesitz-Invest der DB Real Estate kann in Berlin wieder gekauft und verkauft werden.

Nach dem 13. Dezember – dem Tag, an dem die Deutsche-Bank- Tochter bekannt gab, zunächst keine Fondsanteile mehr zurückzunehmen – war der Handel der Papiere zunächst ausgesetzt worden. Seit kurzem werden sie wieder notiert. Bald gehörten sie zu den umsatzstärksten Titeln und erreichten wieder deutliche Kurszuwächse. Wesentlich für die Attraktivität des Handels, so hat man an der Börse festgestellt, ist die Ordergebühr, die die Bank von ihrem Kunden verlangt. Und hier kommt die Sparkasse ins Spiel.

Während die Konkurrenz, also etwa die Berliner Volksbank, die Deutsche Bank oder die Commerzbank, in der Regel bis zu ein Prozent des Umsatzes bei Kauf und Verkauf an Gebühren verlangen, lässt sich die Sparkasse ihre Dienste teuer bezahlen. Bei der Tochter der Bankgesellschaft sieht man sich im Recht. „Wir bieten eine umfassende Beratung an“, sagt eine Sprecherin. Am Anfang stehe eine Vermögensanalyse, dann folge die individuelle Vermögensplanung mit einer Empfehlung und schließlich beobachte die Sparkasse noch kontinuierlich das Depot des Kunden und betreibe „Nachsorge“. Diese Beratungsleistungen kosteten nun einmal Geld. Von dieser Linie ließ sich die Sparkasse auch nicht durch Interventionen des Geschäftsführers der Berliner Börse, Jörg Walter, abbringen.

Doch ein Schlupfloch gibt es dann doch noch. Verzichtet der Kunde ausdrücklich auf die Beratung der Sparkasse, handelt er beispielsweise online, oder nutzt er den Telefonservice der Sparkasse, wird es billiger. 0,7 bis 0,9 Prozent verlangt dann die Sparkasse, mindestens aber 15 Euro.

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