Wirtschaft : Berliner Börse gibt Expansionspläne auf

Partner Nasdaq Deutschland wird nach nur fünf Monaten geschlossen/1,2 Millionen Euro werden abgeschrieben

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Berlin (dr). Die Nasdaq Deutschland wird wenige Monate nach dem Start schon wieder geschlossen. Der Handel werde am 29. August eingestellt, teilte die Nasdaq Europe am Dienstag mit.

Die Handelsplattform war erst Ende März gestartet worden. Die Hälfte des Eigenkapitals in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Euro war im Besitz der Nasdaq Europe, einem Ableger der USTechnologiebörse Nasdaq. Die fusionierte Börse Berlin-Bremen hielt insgesamt 20 Prozent, die Dresdner Bank 15 Prozent, Commerzbank und Comdirect jeweils 7,5 Prozent. Die Anteile sollen nun an die Börse Berlin Bremen gehen.

Ein herber Verlust für Berlin, hatte man sich doch zumindest für die „weitere Zukunft“ aus der Beteiligung an der Nasdaq Deutschland Beteiligungserträge und eine „Verbesserung der strategischen Position“ erhofft. Immerhin war man so vorsichtig, nicht bereits für das Jahr 2003 Erträge einzuplanen. Nun aber muss die Beteiligung insgesamt abgeschrieben werden. Der Berliner Anteil von zehn Prozent am Grundkapital der Nasdaq Deutschland in Höhe von zwölf Millionen Euro entspricht 1,2 Millionen Euro und ist nun verloren.

Bei der Berliner Börse versucht man den Verlust herunterzuspielen. Die Schließung sei verkraftbar, sagt Geschäftsführer Jörg Walter. „Berlin hat versucht, eine weitere Option zu erschließen, das hat nicht geklappt“, sagte Walter. Er räumt allerdings ein, dass die Nasdaq Deutschland kaum eine Bedeutung für den Berliner Platz erlangt hat. Dass die beteiligten Banken nun, wie angekündigt, ihre Aufträge aus Berlin abziehen wollten, um sie an die Deutsche Börse in Frankfurt (Main) zu vergeben, bleibe deshalb ohne nennenswerte Auswirkungen für Berlin. Die Umsätze blieben seit dem Start äußerst gering und konzentrierten sich auf inländische Aktien. Um den Fortbestand des Börsenplatzes Berlin macht er sich keine Sorgen.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf bedauert die Entwicklung. „Dies ist sicherlich ein Rückschlag für den Finanzplatz Berlin, aber es war richtig, die Kooperation einzugehen“, sagte ein Sprecher. „Wir haben das Vorhaben unterstützt und die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen.“ Bei der Berliner Industrie- und Handelskammer bleibt man gelassen. Immerhin ist die Berliner Börse mit 1200 Quadratmetern der zweitgrößte Mieter im Ludwig-Erhard-Haus. Wie viel Miete die Börse zahlt, sagen die Beteiligten nicht.

In Berlin wird kein Geld verdient

Die Börse will sich weiter auf die Privatanleger konzentrieren. „Wir haben ja noch unser traditionelles Geschäft“, tröstet sich Börsenchef Walter. Der Schwerpunkt soll wie bisher auf amerikanische Technologiewerte, osteuropäische Werte sowie Aktien des ehemaligen Neuen Marktes gelegt werden. Im Geschäftsbericht 2002 werden diese Geschäftsfelder allerdings als „Spezial- und Nischenmärkte“ bezeichnet.

Infolgedessen lässt sich damit auch nicht richtig Geld verdienen. Dass die Berliner Börse für das Jahr 2002 überhaupt einen Jahresüberschuss von 13,1 Millionen Euro ausweisen konnte, ist einzig und allein dem Verkauf der Beteiligung an der Deutsche Börse AG in Frankfurt (Main) zu verdanken. Ohne die Erlöse aus dem Verkauf dieser Beteiligung hätte der Jahresverlust 3,3 Millionen Euro betragen. Im Vorjahr lag dieser sogar noch bei fünf Millionen Euro. Und die Aussichten sind eher verhalten.

Immerhin ist man in Berlin um Ideen nicht verlegen. So startete man im Mai dieses Jahres den Börsenhandel mit Fondsanteilen. Inzwischen können Anleger insgesamt rund 170 Aktien-, Renten- und Geldmarkt-Fonds kaufen oder verkaufen. Vorgaben an die Spannen zwischen An- und Verkaufspreis, die Spreads, sichern den Anlegern attraktive Preise.

Die weltweit größte Technologiebörse Nasdaq hatte versucht, gemeinsam mit den Großbanken und den Handelsplätzen Berlinund Bremen den Branchenprimus Deutsche Börse anzugreifen. Ziel war eigentlich, bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der Deutschen Börse die Nummer zwei zu werden.

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